Endlich wieder Kultur erleben: Dazu lädt ab diesem Wochenende der Kultursommer im Freibad Mirke ein, den Csilla Letay und Julian Dell vom Wuppertaler Veranstaltungskollektiv ‚Salon Knallenfalls‘ organisieren. Unter freiem Himmel und vor besonderer Kulisse finden Lesungen, Kabarett, Comedy und Konzerte mit lokalen und bundesweit bekannten Künstler*innen statt – all dies „live im Becken“ und natürlich unter den aktuell geltenden Corona-Schutzverordnungen.

Sie haben sich gut eingerichtet in ihrer Komfortzone, die Figuren in Ingrid Lausunds Stück: Irgendwo zwischen einem Hang zur Weltverbesserung, missionarischem Eifer, divenhafter Selbstinszenierung und ironischer Skepsis bewegen sich Christine, Eckhard, Eva, Leo und Rainer. Allesamt sind sie Schauspieler, gemeinsam proben sie für eine Benefizveranstaltung, bei der Spenden für ein Schulprojekt in Afrika gesammelt werden sollen. Dem Engagement für die gute Sache kommt – bei manchen mehr, bei manchen weniger – neben Unkenntnis auch das eigene Geltungsbedürfnis in die Quere und so werden die Proben zum individuellen Schaulauf. Unter der Regie von Anna-Elisabeth Frick hat das Schauspiel Wuppertal Lausunds bitterböse Satire in einer lebhaften, in ihrer ernsten Thematik treffenden Inszenierung im Theater am Engelsgarten präsentiert.

von Larissa Plath

Die Wuppertaler Literatur Biennale findet in diesem Jahr rein digital statt und auch die Auf der Höhe-Redaktion verfolgt die Lesungen und Vorträge per Livestream von zu Hause aus. Berichtet wird trotzdem, denn ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Formate: Stift und Notizblock liegen parat, um individuelle Eindrücke, Beobachtungen und Gedanken zu den einzelnen Veranstaltungen in Form eines „Logbuchs“ festzuhalten. Wo die literarische Reise hingeht und welche (Um-)Wege die Gedanken der Redakteur*innen dabei nehmen, kann man im Folgenden nachlesen.

„Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, dann wird es im letzten Akt abgefeuert“, schrieb einst der russische Schriftsteller Anton Tschechow. In Edward Albees zum modernen Klassiker avancierten Ehekrieg-Stück kommt körperlich niemand zu Schaden – das Gewehr, mit dem George auf seine Frau Martha und die beiden Gäste zielt, entpuppt sich an diesem Abend als Regenschirm –, dass die Konfrontation eine ganz eigene zerstörerische Kraft entwickelt, ist hinlänglich bekannt. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? wurde 1962 uraufgeführt, ist zigfach adaptiert worden und taucht regelmäßig auf Spielplänen auf. Warum Albees Stück trotzdem noch immer zu fesseln vermag, demonstriert die aktuelle Inszenierung des Wuppertaler TalTonTHEATERS.

von Larissa Plath

Die Umstände haben sich verändert, das Thema bleibt: „Tier – Mensch – Maschine“ lautet die Überschrift der fünften Wuppertaler Literatur Biennale, die vom 5. bis 8. November 2020 zu Lesungen, Vorträgen, Diskussionen und Performances einlädt. Ursprünglich sollte das überregional bekannte Literaturfestival an zehn Tagen im Mai stattfinden, mit 30 Veranstaltungen und internationalen Autor*innen aus 11 Ländern. Nun wird die Biennale in reduzierter Form nachgeholt – „ein ambitioniertes Vorhaben“, so Kulturdezernent Matthias Nocke.

von Larissa Plath

„Denker. Macher. Wuppertaler.“ – das Friedrich Engels gewidmete Motto des Jubiläumsjahres ENGELS 2020 würde sich wohl auch Wilhelm Dreißiger ohne zu zögern auf die Fahne schreiben, wenn es darum geht, sich selbst zu charakterisieren. Als Kopf von „XXX Dreißiger Logistics“ weiß er die Leitsätze seiner Unternehmensphilosophie unter die Leute zu bringen – sei es in Form von unübersehbaren Werbebannern („Work hard. Have fun. Make history.“) an der Fassade des Opernhauses oder pseudo-authentischen Imagefilmen, in denen sich seine betont heiteren Angestellten über ihre Arbeit bei Dreißiger Logistics äußern und Bürger*innen den dadurch entstandenen Mehrwert für die Stadt bekräftigen. Aus Hauptmanns Fabrikant ist ein visionärer Jungunternehmer geworden, statt ins Industriezeitalter des 19. Jahrhunderts führt Martin Kindervaters Inszenierung die Weber ins digitale Zeitalter der Gegenwart. Dorthin, wo Logistikbranche und Online-Handel nicht erst in diesen Tagen die Gewinner sind und soziale Ungleichheit an der Tagesordnung ist.

von Larissa Plath