von Larissa Plath

Jimmy Porter ist zornig. Seine Wut richtet sich gegen alles und jeden, vor allem aber gegen den Zustand der Nachkriegsgesellschaft im England der 1950er Jahre. „Sehr früh habe ich gelernt, was zornig sein heißt – zornig und hilflos. Und ich kann das nicht vergessen“, resümiert Jimmy. Dass seine Frau Alison der oberen Mittelschicht und nicht wie er selbst der Arbeiterklasse angehört, sorgt für ständige Konflikte. Auf engstem Raum leben die beiden zusammen, mehr gegen- als miteinander, sie die Zielscheibe seiner Tiraden und er das Zentrum, um das sich alles dreht.

IMG_7799von Julia Wessel

Wie spielt man Hitler richtig? Ist es pietätlos, direkt danach einen KZ-Häftling darzustellen? Und darf man über Joseph Goebbels lachen? Diese und noch existenziellere Fragen stellen sich drei Schauspieler, die auf den Beginn einer Talkshow warten. Sich an ihren Rollen messen. Im Gespräch kommen die Gesichter dahinter zutage, alte und neue Schauspieltraditionen treffen aufeinander. Dann: Lichtwechsel. Zwei alternde Schauspielerinnen verhandeln zwischen TV und Theater, eingefahrenen Geschlechterrollen und dramatischen Abgängen.

von Larissa Plath

„There’s no business like showbusiness“ – Dieses Motto hat sich wohl auch Gerichtsrat Walter (Jonas Gruber) zum Vorbild genommen. Statt seinen „Lokaltermin“ im Gericht auf die übliche Weise wahrzunehmen, führt er das anwesende Publikum an diesem Abend gekonnt galant durch die mit Leuchtbuchstaben angekündigte „Adam and Eve“-Show. Seine Richterrobe gegen einen rosa Schlaghosenanzug getauscht schreitet er, stets ein breites Strahlegrinsen tragend, die silberne Glitzertreppe hinab zur Tat. Die ursprünglich geplante Inspektion muss warten, nun gilt es, einen Fall vor Gericht zu bringen: Wer hat des Nachts beim überstürzten Verlassen von Eve Rulls (Lena Vogt) Zimmer den Krug vom Fensterbrett geworfen und zerbrochen?

von Larissa Plath

„Expressionismus und alle anderen unkonventionellen Dramentechniken haben nur ein wichtiges Ziel, und das ist, der Wahrheit näher zu kommen“, so Tennessee Williams in seinem Vorwort zur Glasmenagerie. Das Schauspiel Wuppertal bringt den 1944 uraufgeführten, stark biographisch inspirierten Klassiker in einer werkgetreuen, dabei gleichzeitig aktualisierten Version auf die Bühne und begibt sich im Spiel der Erinnerungen auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Illusion.

Die aktuelle Spielzeit der Wuppertaler Bühnen neigt sich dem Ende zu, bald schon kehrt Ruhe ein und die verschiedenen Spielstätten fallen in ihren wohl verdienten Sommerschlaf. Schon jetzt ist die Vorfreude auf das neue Programm groß: Opernintendant Berthold Schneider, Schauspielintendant Thomas Braus und Generalmusikdirektorin Julia Jones stellen spannungs- und abwechslungsreiche Spielpläne für die anstehende Saison vor – eine Kombination aus Neuem und Bewährtem, Bekanntem und Unbekanntem.

IMG_7799von Julia Wessel

Ein Amoklauf mit 37 Toten – und einem Überlebenden. Für John Smith gibt es dafür nur eine Erklärung: Gott hat ihn auserwählt und ihm die Chance gegeben, ein besserer Mensch zu werden. Doch Johns Umfeld traut dem plötzlichen Sinneswandel nicht. Ab dem 5. Mai zeigt das Schauspiel Wuppertal mit „Zur Mittagsstunde“ erstmalig ein Stück des US-Amerikaners Neil LaBute, der neben seiner Tätigkeit als Dramatiker unter anderem bei Filmen wie „Besessen“ (2002) und „The Wicker Man“ (2006) Regie führte. Ein Werk über Zufall und Vorsehung, Neuanfänge und Theodizee, inszeniert von Schirin Khodadadian.

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Was geschieht, wenn Jean Paul Sartre, Erich Kästner, Franz Liszt und Dead Can Dance aufeinandertreffen? Die Antwort lautet: große Kunst! Das bewiesen sechs Studierende der Bergischen Uni Wuppertal mit drei ebenso gut besuchten wie gelungenen Vorstellungen unter dem Titel „Alte Liebe. Neue Lieder“. 15 Jahre lang leitete Cornelia Niedzkowski, Gesangsdozentin im Fachbereich Musikpädagogik, das Projekt „Musik trifft Literatur“. Die vergangenen drei Aufführungen waren jedoch vorerst die letzten Veranstaltungen dieser Reihe.

von Larissa Plath

Ein ebenmäßiges Gesicht, umrahmt von einer goldglänzenden Haarpracht: Dorian Gray stellt die personifizierte Jugend und Schönheit dar. Diese zu erhalten wird zu seiner Obsession, das Stillen seiner Begierden zu seinem vorrangigen Lebensinhalt.
An den vergangenen beiden Wochenenden präsentierte das TalTonTHEATER seine glanzvolle Bühnenfassung des 1891 erschienenen Romans Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde. Die Ästhetisierung des Lebens, ein radikaler Hedonismus und der damit einhergehende Verlust jeglicher Moral sind universelle Themen, die Wildes Klassiker prägen und zu zahlreichen Adaptionen geführt haben.

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Die Wuppertaler Bühnen gehen in dieser Spielzeit viele neue Wege. Einer davon führt das Publikum aus dem Zuschauerraum heraus und mitten auf die Bühne: Nach der modernen Video-Oper Three Tales traut sich die Wuppertaler Oper, auch ein barockes Werk in einer ON STAGE-Variante zu inszenieren, in der das Publikum Teil des Geschehens wird – ein Aufruf, dem das junge Musiktheater-Kollektiv AGORA mit Freude nachkam. Das Ergebnis: „Liberazione“, ein individualisiertes Opernerlebnis für alle Sinne, in dem die Zuschauer sich frei im Aufführungsraum bewegen und mit einer zugehörigen App bewaffnet das Geschehen auf ihren eigenen Geräten verfolgen können. Am 20. April ist Premiere.

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Baby hat die Schnauze voll. Haus und Kinder will sie nicht, sie will keine Blumen und kein Eis mitgebracht bekommen und ihre beiden Männer – der offizielle und der inoffizielle – schränken sie in ihrer Selbstbestimmtheit ein. Baby will ihre eigene Herrin sein und mit einer Puppe als Mann nach Italien fahren – oder gleich mit zweien! Doch Babys moderner Lebensstil stößt in ihrem Umfeld nicht nur auf Begeisterung. Das Wuppertaler Schauspielensemble zeigt seit vergangenem Samstag Anne Leppers „Mädchen in Not“, eine ebenso skurrile wie brandaktuelle Komödie über Ausgrenzung, Menschlichkeit und den Preis, den eine vollständige Emanzipation erfordert.