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Wenn sich der Außenbereich der Brasserie auf dem Vorplatz des Opernhauses in eine mediterrane Oase verwandelt, steht eindeutig der Sommer vor der Tür – und damit auch das Ende der aktuellen Saison. Doch bevor die Wuppertaler Bühnen nach der Sommerpause in eine vielversprechende neue Spielzeit wechseln, stehen dem Wuppertaler Opernpublikum noch einige sommerliche Highlights bevor.

Die aktuelle Spielzeit der Wuppertaler Bühnen neigt sich dem Ende zu, bald schon kehrt Ruhe ein und die verschiedenen Spielstätten fallen in ihren wohl verdienten Sommerschlaf. Schon jetzt ist die Vorfreude auf das neue Programm groß: Opernintendant Berthold Schneider, Schauspielintendant Thomas Braus und Generalmusikdirektorin Julia Jones stellen spannungs- und abwechslungsreiche Spielpläne für die anstehende Saison vor – eine Kombination aus Neuem und Bewährtem, Bekanntem und Unbekanntem.

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Die Spielzeit der Wuppertaler Bühnen neigt sich dem Ende zu. Doch während schon erste Einblicke in die nächste gewährt werden, steht die vorletzte Premiere der aktuellen Saison vor der Tür: Ab dem 16. Juni zeigt das Schauspielensemble im Theater am Engelsgarten Tennessee Williams‘ Die Glasmenagerie – Traumwerkstatt, Erinnerungskarrussel, Familiendrama.

Jede Familie hat ihr Päckchen zu tragen. So auch Amanda, ihre Tochter Laura und ihr Sohn Tom, vom Familienvater verlassen, entwurzelt und auf engstem Raum zusammengepfercht. Aus dieser Situation findet jedes der Familienmitglieder einen eigenen Ausweg: Mutter Amanda lebt in der Vergangenheit und will ihre unerfüllten Sehnsüchte nun von ihren Kindern verwirklicht sehen. Tom muss die Rolle des Familienernährers übernehmen, flüchtet sich aber zunehmend ins Kino, in die Welten seiner Helden. Die leicht gehandicapte Laura zieht sich vollends aus dem sozialen Leben zu ihrer Armee aus Glastierchen zurück. Bis eines Tages der gutaussehende Jim zu Besuch kommt – und mit ihm die Hoffnung auf ein besseres Leben.

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Die Verträge sind unterzeichnet: Die Akademie der inklusiven Künste – bekannt unter dem Projektnamen „Glanzstoff“ – wird auch in Zukunft mit dem Schauspiel der Wuppertaler Bühnen kooperieren. Bereits unter der künstlerischen Leitung des Theaterpädagogen Markus Höller entstanden Projekte mit Darstellern mit verschiedenen Handicaps. Nun tritt Bardia Rousta seine Nachfolge an, der zuvor bereits als Tänzer und Schauspieler und zuletzt als Theaterpädagoge am Jungen Schauspiel Düsseldorf tätig war.

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Ein Amoklauf mit 37 Toten – und einem Überlebenden. Für John Smith gibt es dafür nur eine Erklärung: Gott hat ihn auserwählt und ihm die Chance gegeben, ein besserer Mensch zu werden. Doch Johns Umfeld traut dem plötzlichen Sinneswandel nicht. Ab dem 5. Mai zeigt das Schauspiel Wuppertal mit „Zur Mittagsstunde“ erstmalig ein Stück des US-Amerikaners Neil LaBute, der neben seiner Tätigkeit als Dramatiker unter anderem bei Filmen wie „Besessen“ (2002) und „The Wicker Man“ (2006) Regie führte. Ein Werk über Zufall und Vorsehung, Neuanfänge und Theodizee, inszeniert von Schirin Khodadadian.

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Was geschieht, wenn Jean Paul Sartre, Erich Kästner, Franz Liszt und Dead Can Dance aufeinandertreffen? Die Antwort lautet: große Kunst! Das bewiesen sechs Studierende der Bergischen Uni Wuppertal mit drei ebenso gut besuchten wie gelungenen Vorstellungen unter dem Titel „Alte Liebe. Neue Lieder“. 15 Jahre lang leitete Cornelia Niedzkowski, Gesangsdozentin im Fachbereich Musikpädagogik, das Projekt „Musik trifft Literatur“. Die vergangenen drei Aufführungen waren jedoch vorerst die letzten Veranstaltungen dieser Reihe.

von Larissa Plath

Ein ebenmäßiges Gesicht, umrahmt von einer goldglänzenden Haarpracht: Dorian Gray stellt die personifizierte Jugend und Schönheit dar. Diese zu erhalten wird zu seiner Obsession, das Stillen seiner Begierden zu seinem vorrangigen Lebensinhalt.
An den vergangenen beiden Wochenenden präsentierte das TalTonTHEATER seine glanzvolle Bühnenfassung des 1891 erschienenen Romans Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde. Die Ästhetisierung des Lebens, ein radikaler Hedonismus und der damit einhergehende Verlust jeglicher Moral sind universelle Themen, die Wildes Klassiker prägen und zu zahlreichen Adaptionen geführt haben.

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Die Wuppertaler Bühnen gehen in dieser Spielzeit viele neue Wege. Einer davon führt das Publikum aus dem Zuschauerraum heraus und mitten auf die Bühne: Nach der modernen Video-Oper Three Tales traut sich die Wuppertaler Oper, auch ein barockes Werk in einer ON STAGE-Variante zu inszenieren, in der das Publikum Teil des Geschehens wird – ein Aufruf, dem das junge Musiktheater-Kollektiv AGORA mit Freude nachkam. Das Ergebnis: „Liberazione“, ein individualisiertes Opernerlebnis für alle Sinne, in dem die Zuschauer sich frei im Aufführungsraum bewegen und mit einer zugehörigen App bewaffnet das Geschehen auf ihren eigenen Geräten verfolgen können. Am 20. April ist Premiere.

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Baby hat die Schnauze voll. Haus und Kinder will sie nicht, sie will keine Blumen und kein Eis mitgebracht bekommen und ihre beiden Männer – der offizielle und der inoffizielle – schränken sie in ihrer Selbstbestimmtheit ein. Baby will ihre eigene Herrin sein und mit einer Puppe als Mann nach Italien fahren – oder gleich mit zweien! Doch Babys moderner Lebensstil stößt in ihrem Umfeld nicht nur auf Begeisterung. Das Wuppertaler Schauspielensemble zeigt seit vergangenem Samstag Anne Leppers „Mädchen in Not“, eine ebenso skurrile wie brandaktuelle Komödie über Ausgrenzung, Menschlichkeit und den Preis, den eine vollständige Emanzipation erfordert.

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Welche emanzipierte Frau braucht schon einen Mann? Sicher nicht die junge Baby, die sich stattdessen männliche Puppen hält – denn diese kümmern sich um ihren Haushalt und ihr leibliches Vergnügen, ohne sie in ihrer Selbstbestimmtheit einzuschränken. Doch wie weit kann sich eine Frau von der Opferrolle entfernen, ohne selbst zur Täterin zu werden? Diesen Donnerstag nimmt das Wuppertaler Schauspiel mit Anne Leppers „Mädchen in Not“ ein in vielerlei Hinsicht brandaktuelles Stück ins Programm auf.