Die Steilküste am Nordende der Muschelbucht, an der Kalsul herumkletterte, war feucht und rutschig und stank nach Vogelkacke. Fünfzig Längen unter ihr manscht das Meer an die Felswand, grau in grau und so träge, als hätte es heute auch keine Lust, sich zu bewegen, genauso wenig wie sie.

Erwischt.
Hier gibt es zwar weder Steilküsten, noch Buchten oder gar ein Meer und es riecht nach Tannenbaum und Tee, aber träge, das bin ich auch. Außer des Tees habe ich ein Buch, das ich vor ein paar Tagen angefangen habe, mit in mein Decken-Nest genommen: Andreas Eschbachs neuesten Roman Eines Menschen Flügel, der Ende September 2020 erschienen ist. Bisher lag der dicke Wälzer anklagend auf dem Bücherregal, denn zu viele Lektüren wollten vorher noch abgeschlossen werden. Aber jetzt, endlich, als der Regen grau in grau vor die Fensterscheiben manscht, ist es so weit.

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von Lara Ehlis

Der Autor Marc-Uwe Kling lädt in seinem neuesten Roman wieder ein in die Welt von QualityLand, dem besten aller Länder. Haben Leser*innen im ersten Teil noch die Odyssee des Protagonisten Peter Arbeitsloser miterlebt, der eigentlich nur einen ihm fälschlicherweise zugestellten rosafarbenen Delphinvibrator loswerden wollte, begleiten sie nun in der Fortsetzung Kiki Unbekannt bei der Lösung des Rätsels um ihre Vergangenheit – wobei selbstredend sowohl Peter, als auch seine komplette Entourage, bestehend aus allerlei ungewöhnlichen Elektrogeräten, wieder mit von der Partie sind. Wie gewohnt darf man auch von diesem Roman erwarten, dass aktuelle gesellschaftliche und politische Themen auf witzig-kluge Weise, die sich auf einem Spektrum von Pennälerhumor bis geschickt platzierter Neuverwertung antiker griechischer Legendenstoffe bewegt, verhandelt werden.

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von Lara Ehlis

Olga Grjasnowa, geboren in einer russisch-jüdischen Familie in Baku in Aserbaidschan, schrieb im Jahr 2012 ihren Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt. Sie kam als 11-jährige Migrantin mit ihren Eltern nach Deutschland. Die junge Autorin äußerte sich am 25. März 2017 in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung darüber, dass Menschen mit Migrationshintergrund ausgegrenzt werden, obwohl diese Personen seit Längerem in Deutschland leben. Dies ist auch einer der Gründe, weswegen sie mit der Integrationspolitik unzufrieden ist und unter anderem politische Aspekte sowie Diskriminierung in ihren gesamten Romanen verarbeitet. Sie befürwortet somit eine Gesellschaft, in der Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen miteinander leben können.

mary von Anthoula Hatziioannou

Wir geben zu, dass wir vermutlich voreingenommen sind, aber: Auf jeden Wunschzettel gehört ein gutes Buch, was man im Idealfall direkt im Anschluss an die Weihnachtsfeierlichkeiten auf die heimische Couch entführen und lesen kann. Falls ihr noch ein wenig Inspiration für euren eigenen Wunschzettel benötigt, oder aber auf der Suche nach Geschenkideen für liebe Menschen seid, werdet ihr hoffentlich in unserem heutigen Adventskalender-Beitrag fündig, der gewohnt literarisch daherkommt.

Lars Lenth – Der Lärm der Fische beim Fliegen

In Norwegen ist Lars Lenth vor allem als Profi-Angler bekannt. Somit ist es kein Wunder, dass sein Protagonist Leo Vangen in seinem zweiten Fall mit der Fischerei konfrontiert wird. Leo könnte man als Verlierer bezeichnen: mit Mitte vierzig ist er immer noch kein Volljurist, lebt im geerbten Haus seiner Eltern und vernachlässigt seine sozialen Kontakte. Die ungemeine Ruhe dieses Daseins wird jedoch gestört, als Leos Freund aus Jugendtagen, Axel Platou, an ihn herantritt und seine Hilfe benötigt. Axel hat es zum einflussreichen Lachs-Mogul Norwegens gebracht, seine Zuchtanlage wird jedoch von Ökoaktivisten bedroht und nun soll Leo als neutrale Person dort nach dem Rechten sehen.

von Sophia Ernat

Sibylle Berg – GRM

Ein fucking Rundumschlag.

Rochdale, eine in jeder Hinsicht kaputte Provinzstadt Nordenglands in nicht allzu ferner Zukunft: Die vier heranwachsenden Protagonisten Don, Karen, Hannah und Peter wollen ihre Leben, die von massiver Gewalt, Ausgrenzung und dramatischen Schicksalsschlägen und Verwahrlosung geprägt sind, eine neue Wendung geben, oder wenigstens eine andere Stadt aufmischen.

von Janina Zogass

Sibylle Berg – GRM

Die Erzählung von Sibylle Berg findet in sieben Hochhäusern, auch Seven Sisters genannt, in Rochdale und Liverpool statt. Die Handlung von dem Roman GRM –Brainfuck umfasst rund zwei Jahrzehnte und führt über das Jahr 2019 hinaus, in eine Zeit, als „der Brexit nur noch Erinnerung war“. Die Protagonisten sind vier Kinder, die an ADHS oder Autismus, Albinismus und am Hutchinson-Gilford-Syndrom leiden. Diese ADHS-Kinder befinden sich in dem Jahrtausend, das selbst „eine Überschrift hat. Sie hieß. ADHS. Kursiv darunter stand: Wir ordnen den Scheiß jetzt neu.“ Die Protagonisten leiden nicht nur an ADHS, sondern auch an der Gewalt, die ihnen durch Eltern, Männer und die Gesellschaft zugefügt wird. Sie empfinden Wut und Ärger, die sich in Grime-Musik ausdrücken lassen. Grime stellt die Hoffnung in diese kaputte und verrückt gewordene Welt dar. Die Kinder, die leider keine Kinder mehr sind, haben die Aufgabe übernommen, außerhalb des Systems zu überleben, um nicht mehr verletzt zu werden. Sie starten eine Revolution gegen die Überwachungsdiktatur, gegen die von der IT-Mafia gelenkte Regierung, gegen das System, das diese Welt kaputt gemacht hat. 

von Shipra Tholia

Es gibt Bücher, die würden wir am liebsten all unseren Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern empfehlen. Und es gibt Bücher, da weiß man gar nicht so genau, ob man eine Empfehlung im eigentlichen Sinne aussprechen kann – zumindest nicht uneingeschränkt. Schwere literarische Kost, Bücher, die uns aus der eigenen Komfortzone heraus locken, sind besonders interessant, aber natürlich auch herausfordernd. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, dürfte unter den folgenden Buchtipps der Redaktion vielleicht etwas für sich entdecken: