Susanne Röckel beschreibt in ihrem Roman Der Vogelgott, wie sich die Fantasterei nach und nach Einzug in die Köpfe ihrer wehrlosen Opfer verschafft.

von Kira Ehlis

„Ich ließ mich von jenem Dunklen locken, das sich mir gezeigt hatte…“ Ebenso wie die Protagonisten des Buches, muss sich auch der Leser fühlen, so er sich denn entschließt, die von Susanne Röckel dargebotene Reise anzutreten. Und diese sollte wohl überlegt sein, denn Der Vogelgott ist wahrlich keine leichte Kost und spielt, wie sein Titel bereits vermuten lässt, in übernatürliche Sphären hinein. Dabei zwingt er den Leser mehr als einmal dazu, die gedankliche Wohlfühlzone zu verlassen. Mit ihrem Roman mit Elementen aus der Schauerromantik hat die Schriftstellerin und Übersetzerin ein Werk hervorgebracht, das es trotz – oder gerade wegen – seiner außergewöhnlichen Schilderungen auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 geschafft hat.

Die Dunkelheit hat seit jeher eine starke Anziehungskraft auf den empfänglichen Geist. Er mag sich vor ihr fürchten, ihren verbergenden Schutz suchen oder seine Phantasie von ihr angeregt finden. Ernst Peter Fischer scheint zumindest mit dem letzten Zustand vertraut, hat er doch mit Durch die Nacht (erschienen im Mai 2017 bei Pantheon) dem Thema ein ganzes Buch gewidmet.

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von Kerstin Kiaups

IMG_7799von Julia Wessel

Baby hat die Schnauze voll. Haus und Kinder will sie nicht, sie will keine Blumen und kein Eis mitgebracht bekommen und ihre beiden Männer – der offizielle und der inoffizielle – schränken sie in ihrer Selbstbestimmtheit ein. Baby will ihre eigene Herrin sein und mit einer Puppe als Mann nach Italien fahren – oder gleich mit zweien! Doch Babys moderner Lebensstil stößt in ihrem Umfeld nicht nur auf Begeisterung. Das Wuppertaler Schauspielensemble zeigt seit vergangenem Samstag Anne Leppers „Mädchen in Not“, eine ebenso skurrile wie brandaktuelle Komödie über Ausgrenzung, Menschlichkeit und den Preis, den eine vollständige Emanzipation erfordert.

Daniel Kehlmanns neuer Roman Tyll erzählt die Geschichte des berühmten Narren neu: Tyll Ulenspiegel zieht zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Schausteller durch die deutschen Lande. Außerhalb der Gesellschaft stehend hält er den Menschen den Spiegel vor, fördert ihre mühsam verborgenen Schwächen zu Tage und führt sie an der Nase herum.  Die historischen Ereignisse gehen dabei Hand in Hand mit der Erzählung, die von einem sprachlichen Jongleur berichtet und die Macht der Sprache in ihren Fokus nimmt.

IMG_7727von Lara Ehlis

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von Katia Marcucci

Kraft, der erste Roman von Jonas Lüscher, erschienen im Jahr 2017 beim C.H. Beck Verlag, nimmt den Leser mit in die zerbrochene Welt des Rhetorikprofessors Richard Kraft. Malträtiert von seinen bisherigen Erlebnissen, Schicksalsschlägen und gescheiterten Beziehungen, wird Kraft in die vereinigten Staaten eingeladen, um zu erklären, warum alles gut ist, wie es ist. Besser gesagt

Why whatever is, is right […].

Gerhard Falkner beschreibt in seinem Roman Romeo oder Julia die zu Beginn unerklärlichen Ereignisse, die sich in kurzen Abständen im Leben des Schriftstellers Kurt Prinzhorn ereignen. Was zunächst als eine seltsame Anekdote, die sowohl zum Grübeln als auch zum Schmunzeln anregt, beginnt, verwandelt sich immer mehr in eine unheimliche Verfolgung, deren Ursprung weit zurück liegt. Der Roman, der im Berlin Verlag erschien, schaffte es in diesem Jahr auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

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von Wiebke Martens

Robert Menasses Roman Die Hauptstadt wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet. Die Medien loben sein neustes Werk als wegweisend, es ist sogar die Rede von der Neuschöpfung des Genres „Europa-Roman“. Außer Frage steht, dass Menasses neuester Roman durchaus wichtige Themen anspricht und radikale Vorschläge zur Weiterentwicklung Europas macht. Die Tatsache, dass dies auf erzählerisch geschickte Weise passiert, trägt wesentlich zum Lesegenuss von Die Hauptstadt bei.

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von Lara Ehlis