Garantiert stachelfrei!*

Mit einem geheimnisvollen Manuskript in den Händen macht sich der junge Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz in Walter Moers’ Roman Die Stadt der Träumenden Bücher auf den Weg nach Buchhaim und erlebt in dieser Stadt, die einer gigantischen Bücherei gleicht, zahlreiche mysteriöse Abenteuer voller Spannung, Fantasie und einer guten Prise von Moers’ Humor.

Eine Spezialität Buchhaims darf dabei sowohl für Mythenmetz als auch für die Leser*innen dieses Romans nicht fehlen: Das schmackhafte Bienenbrot!

(*Aus Sicherheitsgründen wurde bei diesem Rezept auf den Zusatz von echten Bienen verzichtet.)

von Christina Marinidis

Der Autor Marc-Uwe Kling lädt in seinem neuesten Roman wieder ein in die Welt von QualityLand, dem besten aller Länder. Haben Leser*innen im ersten Teil noch die Odyssee des Protagonisten Peter Arbeitsloser miterlebt, der eigentlich nur einen ihm fälschlicherweise zugestellten rosafarbenen Delphinvibrator loswerden wollte, begleiten sie nun in der Fortsetzung Kiki Unbekannt bei der Lösung des Rätsels um ihre Vergangenheit – wobei selbstredend sowohl Peter, als auch seine komplette Entourage, bestehend aus allerlei ungewöhnlichen Elektrogeräten, wieder mit von der Partie sind. Wie gewohnt darf man auch von diesem Roman erwarten, dass aktuelle gesellschaftliche und politische Themen auf witzig-kluge Weise, die sich auf einem Spektrum von Pennälerhumor bis geschickt platzierter Neuverwertung antiker griechischer Legendenstoffe bewegt, verhandelt werden.

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von Lara Ehlis

Olga Grjasnowa, geboren in einer russisch-jüdischen Familie in Baku in Aserbaidschan, schrieb im Jahr 2012 ihren Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt. Sie kam als 11-jährige Migrantin mit ihren Eltern nach Deutschland. Die junge Autorin äußerte sich am 25. März 2017 in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung darüber, dass Menschen mit Migrationshintergrund ausgegrenzt werden, obwohl diese Personen seit Längerem in Deutschland leben. Dies ist auch einer der Gründe, weswegen sie mit der Integrationspolitik unzufrieden ist und unter anderem politische Aspekte sowie Diskriminierung in ihren gesamten Romanen verarbeitet. Sie befürwortet somit eine Gesellschaft, in der Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen miteinander leben können.

mary von Anthoula Hatziioannou

Kintsugi heißt der Roman Miku Sophie Kühmels, der im August 2019 im S. Fischer Verlag erschienen ist. Mit ihrem ersten Roman ist Kühmel, die als Studentin bei Daniel Kehlmann und Roger Willemsen gelernt hat, auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 gelandet. Der Begriff „Kintsugi“ beschreibt im Japanischen eine Technik, mit der gebrochenes Porzellan mit Gold repariert wird. Erst der vermeintliche Makel – der Knacks – verwandelt das Beschädigte in etwas Besonderes.

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von Janina Zogass

„Seit kurzem gibt es einen neuen Typ Schriftstellerin, der mir für den Augenblick der aussichtsreichste scheint: Die Frau, die Reportage macht, in Aufsätzen, Theaterstücken, Romanen. Sie bekennt nicht, sie schreibt sich nicht die Seele aus dem Leib […] die Frau berichtet, anstatt zu beichten.“ Was Erika Mann hier in ihrer Glosse „Frau und Buch“ als eine neue Form des weiblichen Schreibens charakterisiert, klingt auch in der Widmung an, die Margaret Goldsmith ihrem Roman Patience geht vorüber voranstellt. Von dem Anspruch, in einem Roman „wirklichen Menschen“ begegnen zu wollen ist dort die Rede: „Nur keine Illusionen, keine Romantik. Reportage willst Du haben. Ein Stück Leben“, fasst Goldsmith den Wunsch ihrer Freundin Martel Schwichtenberg zusammen, der sie das Buch gewidmet hat. Ein Stück Leben, das im Fall von Goldsmiths Protagonistin Patience auffallend modern ist und von der Autorin vor dem Hintergrund der 1920er und beginnenden 1930er Jahre geschildert wird.

von Larissa Plath

Sibylle Berg – GRM

Ein fucking Rundumschlag.

Rochdale, eine in jeder Hinsicht kaputte Provinzstadt Nordenglands in nicht allzu ferner Zukunft: Die vier heranwachsenden Protagonisten Don, Karen, Hannah und Peter wollen ihre Leben, die von massiver Gewalt, Ausgrenzung und dramatischen Schicksalsschlägen und Verwahrlosung geprägt sind, eine neue Wendung geben, oder wenigstens eine andere Stadt aufmischen.

von Janina Zogass

Sibylle Berg – GRM

Die Erzählung von Sibylle Berg findet in sieben Hochhäusern, auch Seven Sisters genannt, in Rochdale und Liverpool statt. Die Handlung von dem Roman GRM –Brainfuck umfasst rund zwei Jahrzehnte und führt über das Jahr 2019 hinaus, in eine Zeit, als „der Brexit nur noch Erinnerung war“. Die Protagonisten sind vier Kinder, die an ADHS oder Autismus, Albinismus und am Hutchinson-Gilford-Syndrom leiden. Diese ADHS-Kinder befinden sich in dem Jahrtausend, das selbst „eine Überschrift hat. Sie hieß. ADHS. Kursiv darunter stand: Wir ordnen den Scheiß jetzt neu.“ Die Protagonisten leiden nicht nur an ADHS, sondern auch an der Gewalt, die ihnen durch Eltern, Männer und die Gesellschaft zugefügt wird. Sie empfinden Wut und Ärger, die sich in Grime-Musik ausdrücken lassen. Grime stellt die Hoffnung in diese kaputte und verrückt gewordene Welt dar. Die Kinder, die leider keine Kinder mehr sind, haben die Aufgabe übernommen, außerhalb des Systems zu überleben, um nicht mehr verletzt zu werden. Sie starten eine Revolution gegen die Überwachungsdiktatur, gegen die von der IT-Mafia gelenkte Regierung, gegen das System, das diese Welt kaputt gemacht hat. 

von Shipra Tholia