Zwischen ‚Bioy Casares‘ und ‚Byron‘ klafft eine unübersehbare Lücke im alphabetisch sortierten Buchregal, von dem erwarteten ‚Borges‘ keine Spur. Eine Tatsache, die auf den ersten Blick nicht unerklärlich – besagte Privatbibliothek gehört dem großen argentinischen Autor Jorge Luis Borges höchstselbst – auf den zweiten Blick aber zumindest verwunderlich ist und dem Ich-Erzähler in Jaime Begazos Kurzroman Die Zeugen (Kupido Literaturverlag, 2020) die literarische Spurensuche zusätzlich erschwert. Fast scheint es, als wolle Borges’ Erzählung „Emma Zunz“ gar nicht vom Erzähler gefunden und noch weniger erneut gelesen und auf diese eine entscheidende Unstimmigkeit hin überprüft werden: Wer ist Milton Sills, lautet die Frage, die den namenlosen Protagonisten zu seinem Idol Borges und tief hinein in dessen Erzähluniversum führt.

von Larissa Plath

Die Kurzprosa- und Lyrik-Autorin Louise Juhl Dalsgaard nähert sich in ihrem ersten Roman Genug, der 2021 im Picus Verlag erschienen ist, auf poetische Weise der Gefühlslage einer jungen Frau, die auf dem Weg zur Genesung ihrer Essstörung ist. Der von Gerd Weinreich aus dem Dänischen übersetzte Roman bietet Humor und Hoffnung, aber auch Hilflosigkeit und Depressivität. Die Autorin schafft es, den Leser*innen ein kritisches, immer noch aktuelles Thema mit einer wunderbaren Leichtigkeit zu vermitteln und nimmt sie mit auf die Reise in die Psyche der Protagonistin, die sich wie ein Puzzle nach und nach zusammensetzt.

von Sina Thamm

„Seit kurzem gibt es einen neuen Typ Schriftstellerin, der mir für den Augenblick der aussichtsreichste scheint: Die Frau, die Reportage macht, in Aufsätzen, Theaterstücken, Romanen. Sie bekennt nicht, sie schreibt sich nicht die Seele aus dem Leib […] die Frau berichtet, anstatt zu beichten.“ Was Erika Mann hier in ihrer Glosse „Frau und Buch“ als eine neue Form des weiblichen Schreibens charakterisiert, klingt auch in der Widmung an, die Margaret Goldsmith ihrem Roman Patience geht vorüber voranstellt. Von dem Anspruch, in einem Roman „wirklichen Menschen“ begegnen zu wollen ist dort die Rede: „Nur keine Illusionen, keine Romantik. Reportage willst Du haben. Ein Stück Leben“, fasst Goldsmith den Wunsch ihrer Freundin Martel Schwichtenberg zusammen, der sie das Buch gewidmet hat. Ein Stück Leben, das im Fall von Goldsmiths Protagonistin Patience auffallend modern ist und von der Autorin vor dem Hintergrund der 1920er und beginnenden 1930er Jahre geschildert wird.

von Larissa Plath

Das Reisen in (mehr oder weniger) ferne Gegenden ist leider momentan für die meisten nicht mehr als ein frommer Wunsch. Da das Wetter aber auch hierzulande teilweise tropische Formen annimmt, schnappen wir uns ein Buch und lassen uns in Fiktionswelten entführen, die vergessen machen, dass man sich eigentlich doch ’nur‘ auf dem heimischen Balkon befindet und den Cocktail selbst zubereitet hat.
Wir wünschen viel Spaß und eine erholsame Lesezeit mit unseren Romanempfehlungen, die ihre Leser*innen an reisewürdige Orte mitnehmen!

Zum ‚Internationalen Kinderbuchtag‘ dreht sich bei unseren heutigen Buchtipps alles um Geschichten für die Kleinen. 1967 vom ‚International Board on Books for Young People‘ (IBBY) begründet, wird dieser Tag weltweit am 2. April, dem Geburtstag von Hans Christian Andersen, gefeiert. Mit ihrer Initiative verfolgt die gemeinnützige Organisation das Ziel, Kindern den Zugang zum Lesen zu ermöglichen sowie die Entstehung und Verbreitung von Kinder- und Jugendliteratur zu fördern. Ob Märchen, Abenteuergeschichten, Klassiker oder Gedichte: Wie wertvoll Bücher für junge Leser*innen sind, zeigt sich in diesen Tagen ganz besonders.

Am Anfang und am Ende war das Wort. Malva Marina Trinidad del Carmen Reyes, geboren im August des Jahres 1934, blickt zurück auf ihr Leben und erzählt ihre Geschichte – eine Lebensgeschichte, die weniger als ein Jahrzehnt dauern sollte und lange Zeit nahezu unerwähnt blieb. Ihr Vater war der chilenische Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda. Er verließ seine Frau und die mit einem Hydrocephalus (Wasserkopf) geborene Tochter nach zwei Jahren, in seinen Memoiren erwähnte Neruda Malva mit keinem Wort.

von Larissa Plath