„Ein Liebesroman mit Bildern und wirklich lebenden Menschen“ – so lautet der verheißungsvolle Untertitel von Else Lasker-Schülers Mein Herz, einem avantgardistischen Briefroman, der 1923 erstmals erschien. Das Werk der Wuppertaler Dichterin steht im Mittelpunkt eines Programms, in dem die Schauspielerin Martina Gedeck und die Musiker Avi Avital und Dávid Adorján Wortkunst, Darstellung und Musik vereinen. An keinem geringeren Ort als im Herzen Elberfelds, Else Lasker-Schülers Geburtsstadt, fand an einem Abend Ende Dezember der titelgebende „Aufbruch in die Moderne“ statt.

von Larissa Plath

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Sie ist das Mädchen, das schon immer im Freien übernachtet hat. Isa: Naturkind, Vagabundin, eine Romantikerin im ursprünglichen Sinn. Sie schafft sich ihren eigenen Mikrokosmos, der im Einklang mit dem großen Ganzen steht – Tag und Nacht, Sonne und Sterne, Lebenswelt und Universum. Lesern von Wolfgang Herrndorfs Kultroman Tschick ist die impulsive 14-Jährige als außergewöhnliche Nebenfigur bekannt, mit seinem postum veröffentlichten Romanfragment Bilder deiner großen Liebe widmete ihr der Autor eine eigene Geschichte. Isa ist der Mittelpunkt dieser Road-Novel-Variation, die in der Fassung von Robert Koall viele Bühnen erobert hat und derzeit unter der Regie von Barbara Büchmann am Schauspiel Wuppertal zu sehen ist.

von Larissa Plath

Beschwingte Jazzmusik erklingt, Projektionen bunter 50er-Jahre Werbeplakate erscheinen auf einer Seitenwand des Bühnenbildes, davor spielt sich eine slapstickartige Szene ab: Und schon ist man mittendrin im New Yorker Stadtteil Brooklyn und in der Welt des kleinen Cedric Errol (Julia Meier), irgendwo zwischen seinem Zuhause und den Geschäften seiner Freunde Mr. Hobbs (Martin Petschan) und Dick (Andreas Rother). „Die Aristokratie ist unser aller Unglück“, bemerkt der Gemischtwarenhändler Hobbs während seiner täglichen Zeitungslektüre, nicht ahnend, dass es seinem Kumpel Ceddie bestimmt ist, in nicht allzu ferner Zukunft sein Erbe als Lord und zukünftiger Graf von Dorincourt anzutreten.

„Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig“, so der Lyriker Ernst Reinhold Hauschka. In dieser Woche wird viel gelesen im Tal und wir nehmen uns die Zeit dafür – ob in der Bergischen Uni oder im Skulpturenpark, ob Lesung oder Lesekreis, Kurzgeschichte oder Reisebericht. Hier vier besondere Veranstaltungstipps:

von Larissa Plath

„Es ist besser, sie nicht anzusehen.“ Mit „sie“ sind die Opfer eines mordenden Mutter-Tochter-Gespanns gemeint, welches sein abgeschiedenes Hotel nutzt, um wohlhabende männliche Gäste ins Jenseits zu befördern und sich auf diese Weise zu bereichern. Was die namenlose Mutter (Julia Wolff) ihrer Tochter Martha (Lena Vogt) gegenüber nüchtern feststellt, ist nur eine von vielen, in ihrer teilnahmslosen Kälte so erschreckenden Aussagen, die im Laufe des Stücks folgen sollen. Das grausame Handeln dient der eigenen Rettung in eine vermeintlich bessere Zukunft, aber am Ende scheitern beide an ihrem Unvermögen, sich der Realität zu stellen.

von Larissa Plath

Der Vorfall ist schnell umrissen: Ein Täter, ein Stock, ein Opfer und, als Resultat, zwei abgebrochene Schneidezähne. Ursache und Folgen der Tat zu ermitteln, ist da schon schwieriger. Zu diesem Zweck treffen sich die Eltern von Übeltäter Ferdinand und dem Leidtragenden Bruno, eine Stellungnahme wird verfasst, die Streiterei wird geklärt. So zumindest könnte das Friedensgespräch laufen, wären da nicht die vielen großen und kleinen Konflikte, die nach und nach zutage gefördert werden, bis schließlich der „Gott des Gemetzels“ die Oberhand zu gewinnen droht. Yasmina Rezas Erfolgsstück, seit seiner Uraufführung 2006 zum modernen Komödienklassiker geworden, ist seit Mitte September in bester Kammerspielmanier auf der Bühne im TiC-Theater zu erleben.

Hinter den Kulissen von Oper, Schauspiel und Sinfonieorchester laufen die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit: Ein genauer Blick auf das Programm lohnt sich! Und wer bei all der Vorfreude nicht bis zur ersten Aufführung warten möchte, kann sich schon am 08. September beim Theaterfest im Opernhaus und während der abendlichen Gala auf die Spielzeit 2019/20 einstimmen.

von Larissa Plath

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Komödie, Krimi, Thriller, Plot, Story, Figuren… Die Liste mit Stichworten, manche in rot, andere in grün oder blau geschrieben und thematisch nach Gruppen sortiert, wird immer länger. Eine Notiz nach der anderen hält Dozentin Ava Weis auf dem Whiteboard fest, damit im Eifer des Gefechtes nur ja kein Einfall verloren geht. 14 angehende „Filmemacher“, vier Tage und am Schluss: ein Drehbuch. Das alles geschieht nicht etwa in einer der großen Filmproduktionen, sondern in der „Drehbuch-Schmiede“ der Wuppertaler Junior Uni für das Bergische Land.

von Larissa Plath

„Gott ist da“, lauten die letzten Worte Else Lasker-Schülers, wenn sie in Gestalt ihrer selbst erwählten Rolle des Prinzen Jussuf von Theben das Drama IchundIch beschließt. In einer Art Stück im Stück führt die Dichterin das Publikum durch ihr „Höllenspiel“, wo die zwei Hälften des Ichs aufeinander treffen und Gegensätzliches verhandelt wird: Faust und Mephisto, Himmel und Hölle, Damals und Heute. Das Wuppertaler Schauspiel ehrt die 1869 in Elberfeld geborene Dichterin und Dramatikerin zu ihrem 150. Geburtstag mit einem Theaterfestival, dessen Höhepunkt die aufwändige Inszenierung ihres letzten Dramas darstellt.