Zwischen ‚Bioy Casares‘ und ‚Byron‘ klafft eine unübersehbare Lücke im alphabetisch sortierten Buchregal, von dem erwarteten ‚Borges‘ keine Spur. Eine Tatsache, die auf den ersten Blick nicht unerklärlich – besagte Privatbibliothek gehört dem großen argentinischen Autor Jorge Luis Borges höchstselbst – auf den zweiten Blick aber zumindest verwunderlich ist und dem Ich-Erzähler in Jaime Begazos Kurzroman Die Zeugen (Kupido Literaturverlag, 2020) die literarische Spurensuche zusätzlich erschwert. Fast scheint es, als wolle Borges’ Erzählung „Emma Zunz“ gar nicht vom Erzähler gefunden und noch weniger erneut gelesen und auf diese eine entscheidende Unstimmigkeit hin überprüft werden: Wer ist Milton Sills, lautet die Frage, die den namenlosen Protagonisten zu seinem Idol Borges und tief hinein in dessen Erzähluniversum führt.

von Larissa Plath

In Berlin Noir (erschienen 2018 im culturbooks Verlag), dem zweiten Band der erfolgreichen Noir-Reihe, die im Jahre 2014 mit Paris Noir startete, wird in 13 Originalgeschichten anhand 13 unterschiedlicher Stadtviertel die dunkle Seite des Verbrechens der Hauptstadt Deutschlands offenbart. Die Auswahl der kurzen Krimierzählungen stellt Thomas Wörtche, angesehener Kritiker, Literaturwissenschaftler und Publizist, zusammen. Preisgekrönte Autor*innen wie Zoë Beck, Ulrich Woelk und Matthias Wittekindt geben dem Genre der Crime Fiction und der Berliner Kriminalliteratur einen neuen, spannenden Blickwinkel.

von Anthoula Hatziioannou

Jean de La Fontaine sagte einmal: „Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen, die man einschlägt, um ihm zu entgehen.“ Diese Erfahrung müssen auch die fünf Protagonisten in Wolfgang Popps 2015 erschienenen Roman Die Verschwundenen (Edition Atelier) machen. Mitten im Leben brechen sie auf einmal alle Kontakte ab und tauchen unter, um fernab ihrer Heimat einen Neustart zu wagen. Erst Jahre später tauchen sie plötzlich wieder auf – entweder zufällig oder das Schicksal zwingt sie, sich an die damals Zurückgelassenen zu wenden. So wird das einst auserwählte Exil zum Schauplatz von überraschenden Wiederbegegnungen zwischen zurückhaltenden Zauderern, feinsinnigen Exzentrikern und skurrilen Sonderlingen.

Von Fiona Schwarz

Paris – eine Stadt, die unumstößlich und unweigerlich mit bestimmten Bildern und besonders mit einer bestimmten Thematik verbunden ist: Liebe. Auch in Anne Garrétas SPHINX gibt es in dieser Hinsicht keinerlei Überraschung. Der Roman, der bereits 1986 auf Französisch und 2016 dann in der deutschen Übersetzung von Alexandra Baisch erschien, erzählt die Geschichte zweier Liebender.

von Wiebke Martens

Als es darum ging, das Thema für unsere Patenschaft bei der aktuellen Runde der Indiebookchallenge auszuwählen, schien das Motto „Lies ein Buch ohne den Buchstaben ‚A‘ im Titel“ eine machbare Herausforderung zu sein. Auf’s A lässt es sich doch sicher verzichten, viel eher noch als auf das E (der häufigste Buchstabe in deutschen Texten sowie in diversen europäischen Sprachen). Und selbst das ist möglich, man denke nur an Georges Perecs Roman-Experiment La Disparition von 1969: ein Buch, in dem Perec komplett ohne den Buchstaben E auskommt.

von Larissa Plath

Die Ausgangssituation erscheint simpel: Der*die namenlose Erzählerin schreibt für ein Frauenmagazin den Fortsetzungsroman und hat nun, nachdem die Situation sich seit Längerem darauf zugespitzt hat, ein vom Chefredakteur gefordertes Ende der Geschichte verfasst. Doch hier hört es schon auf mit dem Simplen und das Seltsame betritt die Bühne. Denn irgendetwas scheint mit dem Ende der Geschichte nicht in Ordnung zu sein. Warum sonst findet sich ihr*e Verfasser*in in einem Verhör wieder, wird beschuldigt, am Verschwinden einer Person beteiligt zu sein? Handelt es sich etwa doch, wie von der*dem Verfasser*in befürchtet, um mehr als bloße Fiktion?

von Kerstin Kiaups

„12 Monate – 12 Bücher“ lautet das übergreifende Motto der zweiten Runde der #Indiebookchallenge. Bei uns waren es dieses Mal sechs Monate und sieben Bücher: Zur Halbzeit im Oktober eingestiegen, haben wir uns durch das mannigfaltige Programm der unabhängigen Verlage gewühlt, dabei so manch lohnende Entdeckung vergessener Titel und Autor*innen gemacht und ganz nebenbei die verbleibenden sechs Lese-Challenges erfolgreich gemeistert. Welche Titel in unserer Lektüreauswahl gelandet sind, präsentieren wir euch in einer feinen Nachlese: