Gottfried Benn bezeichnete ihn als „den gewaltigsten Gedankenstrich der deutschen Literaturgeschichte“: An entscheidender Stelle gesetzt, wird das simple Satzzeichen in Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O…. zur bedeutungsschwangeren Leerstelle. Deren Tragweite offenbart sich erst später, so auch auf der Bühne im Theater am Engelsgarten, wo die eigentliche Bedeutung der Auslassung im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln liegt. Just im kritischen Moment gehen die Lichter aus, Warteschleifenmusik dudelt im Hintergrund, all das geschieht en passant, bis die Erzählung wieder aufgenommen wird – und das Publikum im Laufe dieses ersten Premierenabends der neuen Spielzeit erfährt, was sich zugetragen hat.

von Larissa Plath