Im Rahmen der Wuppertaler Literatur Biennale fand der guatemaltekische Autor Arnoldo Gálvez Suárez seinen Weg in die Börse, um dort aus seinem neuesten Buch Die Rache der Mercedes Lima zu lesen, gemeinsam mit Universitätsprofessor Matei Chihaia und Übersetzter Lutz Kliche über Gewalt zu sprechen und in den Dialog mit dem Publikum zu treten. Dabei gewährte er nicht nur Einblicke in seine Literatur, sondern ließ seine Zuhörer im selben Zuge auch an den dunklen Traumata der Vergangenheit seiner Heimat teilhaben.

 

IMG_7727von Lara Ehlis

maryvon Marajka Parplies

„Am Anfang war der Stein. Am Anfang war der Stein. Am Anfang…“ Fiston Mwanza beginnt seine Lesung zu seinem Debütroman “Tram 83“ mit dem Stilmittel Repetitio, das direkt dafür sorgt, dass die zahlreich anwesenden Personen im Ort/Peter Kowald Gesellschaft e.V. am vergangenen Donnerstagabend unter dem Thema „Musik trifft Literatur“ im Rahmen der Wuppertaler Literatur Biennale aufmerksam seinen Worten lauschen.

„Zunehmende Möglichkeiten der Kommunikation fördern zunehmende Isolation von Individuen“

von Lilian Engel

Im Rahmen der Wuppertaler Literatur Biennale las John von Düffels aus seinem neuen Roman Das Klassenbuch. Zwischen dem Autor und David Eisermann, der durch den Abend führte, entwickelte sich eine angeregter Dialog über neue Medien, fortschreitende Technologien und das ewige Thema des Generationenverhältnisses.

IMG_7799von Julia Wessel

Was geschieht, wenn Jean Paul Sartre, Erich Kästner, Franz Liszt und Dead Can Dance aufeinandertreffen? Die Antwort lautet: große Kunst! Das bewiesen sechs Studierende der Bergischen Uni Wuppertal mit drei ebenso gut besuchten wie gelungenen Vorstellungen unter dem Titel „Alte Liebe. Neue Lieder“. 15 Jahre lang leitete Cornelia Niedzkowski, Gesangsdozentin im Fachbereich Musikpädagogik, das Projekt „Musik trifft Literatur“. Die vergangenen drei Aufführungen waren jedoch vorerst die letzten Veranstaltungen dieser Reihe.

von Larissa Plath

Ein ebenmäßiges Gesicht, umrahmt von einer goldglänzenden Haarpracht: Dorian Gray stellt die personifizierte Jugend und Schönheit dar. Diese zu erhalten wird zu seiner Obsession, das Stillen seiner Begierden zu seinem vorrangigen Lebensinhalt.
An den vergangenen beiden Wochenenden präsentierte das TalTonTHEATER seine glanzvolle Bühnenfassung des 1891 erschienenen Romans Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde. Die Ästhetisierung des Lebens, ein radikaler Hedonismus und der damit einhergehende Verlust jeglicher Moral sind universelle Themen, die Wildes Klassiker prägen und zu zahlreichen Adaptionen geführt haben.

IMG_7799von Julia Wessel

Baby hat die Schnauze voll. Haus und Kinder will sie nicht, sie will keine Blumen und kein Eis mitgebracht bekommen und ihre beiden Männer – der offizielle und der inoffizielle – schränken sie in ihrer Selbstbestimmtheit ein. Baby will ihre eigene Herrin sein und mit einer Puppe als Mann nach Italien fahren – oder gleich mit zweien! Doch Babys moderner Lebensstil stößt in ihrem Umfeld nicht nur auf Begeisterung. Das Wuppertaler Schauspielensemble zeigt seit vergangenem Samstag Anne Leppers „Mädchen in Not“, eine ebenso skurrile wie brandaktuelle Komödie über Ausgrenzung, Menschlichkeit und den Preis, den eine vollständige Emanzipation erfordert.

IMG_7799von Julia Wessel

Ein junger Anzugträger namens Michel kehrt nach Jahren in eine am Meer liegende Kleinstadt zurück, in der er damals die schönste aller Frauen gesehen hat. Doch nichts ist mehr wie bei seinem ersten Besuch: Die exzentrischen Bewohner, die ihn kurzerhand zum König der Stadt erklären – inklusive Kochtopfkrone und Haarfönzepter – haben ihr Gedächtnis verloren und betteln nun um Michels Erinnerungen, um sie als ihre eigenen anzunehmen. Als Michel seine Julietta endlich findet, scheinen sich Vergangenheit und Gegenwart, Fiktives und Reales nur noch weiter zu verstricken – wie in einem Traum, in dem die Gesetze der Realität nicht gelten. In einer farbenprächtigen Inszenierung zeigt die Oper Wuppertal Bohuslav Martinůs 1938 uraufgeführten Dreiakter „Julietta“, eine zweifelhafte Liebesgeschichte, deren Schauplatz nach einer skurrilen Traumlogik funktioniert.

IMG_7799von Julia Wessel

Homers „Odyssee“ ist einer der bekanntesten Stoffe der Weltliteratur. Doch die Wuppertaler Bühnen verstehen sich auf innovative Interpretationen vermeintlich überholter Klassiker: Nach Dantes „Inferno“ nimmt das Schauspiel Wuppertal mit der „Odyssee“ die zweite solistische Darbietung eines literarischen Meilensteins aus der letzten in die aktuelle Spielzeit auf. Wie schon die Höllenfahrt aus der „Göttlichen Komödie“ begeistert auch diese Inszenierung mit starkem Spiel, greifbarer Atmosphäre und einer außergewöhnlich in Szene gesetzten Location: dem Glashaus auf der Hardt.

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von Julia Wessel

Die Luft ist noch warm vom Scheinwerferlicht der Vorstellung am Vorabend. Verteilt über die Bühne des Opernhauses sind weiße Drehstühle angebracht, auf denen sich bereits die ersten Zuschauer hin und her bewegen. Michael Cook, der musikalische Leiter des Abends, gibt mit anschaulichen Beispielen zum Mitklatschen eine Einführung in die typische Phasenverschiebung der Minimal Music. Dann verdunkelt sich der Bühnenraum bis zur schwindelerregend hohen Decke und die Anwesenden werden Zeuge einer Kunstform für alle Sinne: der minimalistischen Video-Oper „Three Tales“ von Steve Reich und Beryl Korot, die nach dem Erfolg in der vergangenen Spielzeit erneut ins Programm der Wuppertaler Oper aufgenommen wurde.

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von Julia Wessel

„Francesco!“ Das Publikum der Premiere von „Pension Schöller“ braucht einen Moment der Orientierung, denn die gerufene Kellnerin Franziska trägt nicht nur Männerkleidung, sondern verfügt, nebst majestätischem Schnurrbart und buschigen Augenbrauen, wie auch ihre Kollegen über einen breiten italienischen Akzent.