Susanne Röckel beschreibt in ihrem Roman Der Vogelgott, wie sich die Fantasterei nach und nach Einzug in die Köpfe ihrer wehrlosen Opfer verschafft.

von Kira Ehlis

„Ich ließ mich von jenem Dunklen locken, das sich mir gezeigt hatte…“ Ebenso wie die Protagonisten des Buches, muss sich auch der Leser fühlen, so er sich denn entschließt, die von Susanne Röckel dargebotene Reise anzutreten. Und diese sollte wohl überlegt sein, denn Der Vogelgott ist wahrlich keine leichte Kost und spielt, wie sein Titel bereits vermuten lässt, in übernatürliche Sphären hinein. Dabei zwingt er den Leser mehr als einmal dazu, die gedankliche Wohlfühlzone zu verlassen. Mit ihrem Roman mit Elementen aus der Schauerromantik hat die Schriftstellerin und Übersetzerin ein Werk hervorgebracht, das es trotz – oder gerade wegen – seiner außergewöhnlichen Schilderungen auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 geschafft hat.

Jedes Jahr trifft sich Familie Paschen an einem See in Norddeutschland, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Und jedes Jahr läuft alles ziemlich gleich ab: der altbekannte Smalltalk, ein Spaziergang durch die verschneite Winterlandschaft, die abendliche Bescherung mit den üblichen, mehr oder weniger liebevoll ausgewählten Geschenken, anschließend Fondue mit Walnusssoße. Doch beim letzten Weihnachtsfest war etwas anders – und danach war nahezu die gesamte Familie Paschen tot.

von Jana Schmidt

 

Romanbiographie, fiktionale Biographie, biographischer Roman – Erzählungen über das Leben von Literaten und Künstlern haben derzeit Konjunktur und kommen in vielerlei Gestalt daher. Mal mehr oder weniger den gängigen Vorstellungen und Klischees über die jeweils dargestellte Person entsprechend, ein anderes Mal gezielt revisionistisch und neue Perspektiven eröffnend. Mit seinem 2018 in deutscher Übersetzung bei Diogenes erschienenen Roman Jack (Originaltitel: American Letters) fügt sich der neuseeländische Autor Anthony McCarten in diese Reihe ein: Sein Roman ist eine Hommage an das Werk Jack Kerouacs, die über eine bloße Literarisierung der Lebensgeschichte des King of the Beats hinausgeht.

von Larissa Plath

Die Dunkelheit hat seit jeher eine starke Anziehungskraft auf den empfänglichen Geist. Er mag sich vor ihr fürchten, ihren verbergenden Schutz suchen oder seine Phantasie von ihr angeregt finden. Ernst Peter Fischer scheint zumindest mit dem letzten Zustand vertraut, hat er doch mit Durch die Nacht (erschienen im Mai 2017 bei Pantheon) dem Thema ein ganzes Buch gewidmet.

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von Kerstin Kiaups

Wie viel ist ein Menschenleben wert? Welchen Preis ist man bereit, für die Freiheit zu zahlen? Und was bedeutet ‚Freiheit‘ eigentlich? Colson Whiteheads Roman Underground Railroad bemüht sich, eben jene Fragen zu beantworten. Er bietet ein ebenso erschreckendes wie berührendes Bild der grausamen Zustände und lebensunwürdigen Bedingungen, mit denen sich die Sklaven in den US-amerikanischen Südstaaten Mitte des 19. Jahrhunderts konfrontiert sahen. Dabei bildet die namensgebende, historische Untergrundorganisation „Underground Railroad“ das Vehikel, das die Sklavin und Protagonistin Cora durch die Stationen ihrer turbulenten Lebens- und Fluchtgeschichte begleitet.

IMG_7727von Lara Ehlis

Daniel Kehlmanns neuer Roman Tyll erzählt die Geschichte des berühmten Narren neu: Tyll Ulenspiegel zieht zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Schausteller durch die deutschen Lande. Außerhalb der Gesellschaft stehend hält er den Menschen den Spiegel vor, fördert ihre mühsam verborgenen Schwächen zu Tage und führt sie an der Nase herum.  Die historischen Ereignisse gehen dabei Hand in Hand mit der Erzählung, die von einem sprachlichen Jongleur berichtet und die Macht der Sprache in ihren Fokus nimmt.

IMG_7727von Lara Ehlis