Georg Klein entführt den Leser in seinem Roman Miakro in die mikrokosmische Welt des Büroleiters Nettler, der dort, Tag für Tag, Pult an Pult, seinen Dienst im Mittleren Büro verrichtet, zu den Mahlzeiten den Nährflur betritt und nachts in seiner Schlafkoje ruht. Was zunächst nach Alltagstrott und festen Strukturen einer in sich geschlossenen Welt klingt, wird jedoch durch den plötzlich auftretenden Binnenwind aufgebrochen, von dem Nettler jedes Mal geweckt wird. Die unruhigen Nächte verleiten ihn dazu, sein Leben zu reflektieren, was zur Folge hat, dass sich die Unruhe auf seine Gemütslage überträgt und er dem alltäglichen Trott entfliehen möchte.

von Laura Wolf

Das Leben schreibt bekanntlich die besten Geschichten. Dieser wohlfeilen Einsicht folgt die amerikanische Autorin Lisa Halliday in ihrem Debüt Asymmetrie: Mit Mitte zwanzig hatte sie, damals Lektoratsassistentin in einer renommierten New Yorker Literaturagentur, eine Beziehung mit Philip Roth, die zum Gegenstand ihres ersten Romans werden sollte. Autobiographisches Material, das Einblicke in das private Leben des im letzten Jahr verstorbenen Roth verspricht – da überrascht es wenig, dass Asymmetrie schon vor der Veröffentlichung für wilde Spekulationen in der New Yorker Verlags- und Literaturszene sorgte.

von Larissa Plath

Wohin führt der Wunsch, ohne ökologischen Fußabdruck durchs Leben zu gehen? Eckhart Nickel greift das gesellschaftliche Streben nach einer ressourcenschonenden Lebensweise in seinem, unter anderem für den deutschen Buchpreis nominierten, Debütroman Hysteria auf und entwirft ein denkwürdiges Szenario, das der inhaltlichen Überladung jedoch nicht ganz standhält.

von Ben Sulzbacher

Keiko fällt es schwer, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Von klein auf sind das Verhalten und die Reaktionen anderer Menschen ein Rätsel für sie. Umgekehrt wird auch Keikos eigentümliche Art misstrauisch beäugt. Erst durch ihre Arbeit in einem japanischen Convenience Store, einem Konbini, findet sie einen Zugang zu ihrer Umwelt.
Die Autorin Sayaka Murata beschreibt in ihrem Roman Die Ladenhüterin die Versuche der Protagonistin, sich an eine für sie unverständliche Welt anzupassen, um in der Gesellschaft möglichst wenig anzuecken.

IMG_7841-3von Wiebke Martens

„Das ist ein Land von Verrückten“, heißt es an einer Stelle des Romans. Das Land, von dem die Rede ist: das Baskenland an der französisch-spanischen Grenze. Bis zum Jahr 2018 von der Gewalt und den Anschlägen der ETA, der baskisch marxistisch-leninistischen und separatistischen Terrororganisation, tief erschüttert und gespalten. Der gebürtige Baske Fernando Aramburu, seit Mitte der achtziger Jahre in Hannover lebend, hat mit seinem aufwühlenden Roman besonders in Spanien für Furore gesorgt und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Patria erzählt von Trauer, Leid, Zerrissenheit und Feindseligkeit, aber auch von der Hoffnung auf Aussöhnung und Normalität.

von Caroline Köhler

Susanne Röckel beschreibt in ihrem Roman Der Vogelgott, wie sich die Fantasterei nach und nach Einzug in die Köpfe ihrer wehrlosen Opfer verschafft.

von Kira Ehlis

„Ich ließ mich von jenem Dunklen locken, das sich mir gezeigt hatte…“ Ebenso wie die Protagonisten des Buches, muss sich auch der Leser fühlen, so er sich denn entschließt, die von Susanne Röckel dargebotene Reise anzutreten. Und diese sollte wohl überlegt sein, denn Der Vogelgott ist wahrlich keine leichte Kost und spielt, wie sein Titel bereits vermuten lässt, in übernatürliche Sphären hinein. Dabei zwingt er den Leser mehr als einmal dazu, die gedankliche Wohlfühlzone zu verlassen. Mit ihrem Roman mit Elementen aus der Schauerromantik hat die Schriftstellerin und Übersetzerin ein Werk hervorgebracht, das es trotz – oder gerade wegen – seiner außergewöhnlichen Schilderungen auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 geschafft hat.

Jedes Jahr trifft sich Familie Paschen an einem See in Norddeutschland, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Und jedes Jahr läuft alles ziemlich gleich ab: der altbekannte Smalltalk, ein Spaziergang durch die verschneite Winterlandschaft, die abendliche Bescherung mit den üblichen, mehr oder weniger liebevoll ausgewählten Geschenken, anschließend Fondue mit Walnusssoße. Doch beim letzten Weihnachtsfest war etwas anders – und danach war nahezu die gesamte Familie Paschen tot.

von Jana Schmidt