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von Julia Wessel

Der Begriff „Heimat“ ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Im Positiven wie Negativen wirft das Bedeutungsfeld zahlreiche Konnotationen auf, wie Flucht, Entwurzelung, Sehnsucht und Zugehörigkeit. Diesen Themen widmet sich auch die diesjährige Veranstaltungsreihe der auf drei Spielzeiten angelegten Initiative „Sound of the City“ der Oper Wuppertal, diesmal unter dem Titel „Teil 2: Copyright Heimat“.

IMG_7799von Julia Wessel

Bereits im zehnten Jahr wird der Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden im Rahmen der Konzertreihe KLANGART zur außergewöhnlichen Bühne für anspruchsvolle Musik aus aller Welt: Nach Größen wie Al Di Meola und Esperanza Spalding bringen in der kommenden Spielzeit renommierte Künstler wie Joachim Kühn und Fatoumata Diawara den Park zum Klingen. In knapp zwei Wochen beginnt die diesjährige Saison, deren Programm zum Jubiläum besonders viele internationale Highlights parat hält. Die künstlerische Leitung der von der Cragg Foundation ausgerichteten Begegnung von Natur, Kunst und Musik trägt erneut Maik Ollhoff unter der Beratung von KLANGART-Initiator E. Dieter Fränzel.

von Larissa Plath

Ein ebenmäßiges Gesicht, umrahmt von einer goldglänzenden Haarpracht: Dorian Gray stellt die personifizierte Jugend und Schönheit dar. Diese zu erhalten wird zu seiner Obsession, das Stillen seiner Begierden zu seinem vorrangigen Lebensinhalt.
An den vergangenen beiden Wochenenden präsentierte das TalTonTHEATER seine glanzvolle Bühnenfassung des 1891 erschienenen Romans Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde. Die Ästhetisierung des Lebens, ein radikaler Hedonismus und der damit einhergehende Verlust jeglicher Moral sind universelle Themen, die Wildes Klassiker prägen und zu zahlreichen Adaptionen geführt haben.

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Die Wuppertaler Bühnen gehen in dieser Spielzeit viele neue Wege. Einer davon führt das Publikum aus dem Zuschauerraum heraus und mitten auf die Bühne: Nach der modernen Video-Oper Three Tales traut sich die Wuppertaler Oper, auch ein barockes Werk in einer ON STAGE-Variante zu inszenieren, in der das Publikum Teil des Geschehens wird – ein Aufruf, dem das junge Musiktheater-Kollektiv AGORA mit Freude nachkam. Das Ergebnis: „Liberazione“, ein individualisiertes Opernerlebnis für alle Sinne, in dem die Zuschauer sich frei im Aufführungsraum bewegen und mit einer zugehörigen App bewaffnet das Geschehen auf ihren eigenen Geräten verfolgen können. Am 20. April ist Premiere.

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Otto Dix, Marc Chagall, Paul Klee, Pablo Picasso – Jankel Adler. Obwohl der polnisch-jüdische Maler Mitstreiter und enger Freund bekannter Künstler war, wird die Rezeption seines Werks heutzutage oftmals von der seiner Zeitgenossen überschattet. Die neue Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum will diesem Phänomen entgegenwirken: Am 17. April eröffnet die erst dritte Retrospektive Adlers, die sein durch die nationalsozialistische Verfolgung zerrissenes Oeuvre zusammenfügt und im Kontext seiner zeitgenössischen Wegbegleiter dokumentiert.

Wie viel ist ein Menschenleben wert? Welchen Preis ist man bereit, für die Freiheit zu zahlen? Und was bedeutet ‚Freiheit‘ eigentlich? Colson Whiteheads Roman Underground Railroad bemüht sich, eben jene Fragen zu beantworten. Er bietet ein ebenso erschreckendes wie berührendes Bild der grausamen Zustände und lebensunwürdigen Bedingungen, mit denen sich die Sklaven in den US-amerikanischen Südstaaten Mitte des 19. Jahrhunderts konfrontiert sahen. Dabei bildet die namensgebende, historische Untergrundorganisation „Underground Railroad“ das Vehikel, das die Sklavin und Protagonistin Cora durch die Stationen ihrer turbulenten Lebens- und Fluchtgeschichte begleitet.

IMG_7727von Lara Ehlis

IMG_7799von Julia Wessel

Baby hat die Schnauze voll. Haus und Kinder will sie nicht, sie will keine Blumen und kein Eis mitgebracht bekommen und ihre beiden Männer – der offizielle und der inoffizielle – schränken sie in ihrer Selbstbestimmtheit ein. Baby will ihre eigene Herrin sein und mit einer Puppe als Mann nach Italien fahren – oder gleich mit zweien! Doch Babys moderner Lebensstil stößt in ihrem Umfeld nicht nur auf Begeisterung. Das Wuppertaler Schauspielensemble zeigt seit vergangenem Samstag Anne Leppers „Mädchen in Not“, eine ebenso skurrile wie brandaktuelle Komödie über Ausgrenzung, Menschlichkeit und den Preis, den eine vollständige Emanzipation erfordert.