Haruki Murakamis Roman Südlich der Grenze, westlich der Sonne, damals unter dem Titel Gefährliche Geliebte, sorgte in der 68. Folge des Literarischen Quartetts im Juli 2000 für eine heftige Diskussion zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler. Während Löffler den Roman als literarisches Fast Food abstempelte, der keine Sprache habe, entgegnete Reich-Ranicki, dass es sich um einen hoch-erotischen Roman handelte und er eine solche Liebesszene seit Jahren nicht mehr gelesen habe.

von Anthoula Hatziioannou

Endlich wieder Kultur erleben: Dazu lädt ab diesem Wochenende der Kultursommer im Freibad Mirke ein, den Csilla Letay und Julian Dell vom Wuppertaler Veranstaltungskollektiv ‚Salon Knallenfalls‘ organisieren. Unter freiem Himmel und vor besonderer Kulisse finden Lesungen, Kabarett, Comedy und Konzerte mit lokalen und bundesweit bekannten Künstler*innen statt – all dies „live im Becken“ und natürlich unter den aktuell geltenden Corona-Schutzverordnungen.

Zwischen ‚Bioy Casares‘ und ‚Byron‘ klafft eine unübersehbare Lücke im alphabetisch sortierten Buchregal, von dem erwarteten ‚Borges‘ keine Spur. Eine Tatsache, die auf den ersten Blick nicht unerklärlich – besagte Privatbibliothek gehört dem großen argentinischen Autor Jorge Luis Borges höchstselbst – auf den zweiten Blick aber zumindest verwunderlich ist und dem Ich-Erzähler in Jaime Begazos Kurzroman Die Zeugen (Kupido Literaturverlag, 2020) die literarische Spurensuche zusätzlich erschwert. Fast scheint es, als wolle Borges’ Erzählung „Emma Zunz“ gar nicht vom Erzähler gefunden und noch weniger erneut gelesen und auf diese eine entscheidende Unstimmigkeit hin überprüft werden: Wer ist Milton Sills, lautet die Frage, die den namenlosen Protagonisten zu seinem Idol Borges und tief hinein in dessen Erzähluniversum führt.

von Larissa Plath

In Berlin Noir (erschienen 2018 im culturbooks Verlag), dem zweiten Band der erfolgreichen Noir-Reihe, die im Jahre 2014 mit Paris Noir startete, wird in 13 Originalgeschichten anhand 13 unterschiedlicher Stadtviertel die dunkle Seite des Verbrechens der Hauptstadt Deutschlands offenbart. Die Auswahl der kurzen Krimierzählungen stellt Thomas Wörtche, angesehener Kritiker, Literaturwissenschaftler und Publizist, zusammen. Preisgekrönte Autor*innen wie Zoë Beck, Ulrich Woelk und Matthias Wittekindt geben dem Genre der Crime Fiction und der Berliner Kriminalliteratur einen neuen, spannenden Blickwinkel.

von Anthoula Hatziioannou

Die Kurzprosa- und Lyrik-Autorin Louise Juhl Dalsgaard nähert sich in ihrem ersten Roman Genug, der 2021 im Picus Verlag erschienen ist, auf poetische Weise der Gefühlslage einer jungen Frau, die auf dem Weg zur Genesung ihrer Essstörung ist. Der von Gerd Weinreich aus dem Dänischen übersetzte Roman bietet Humor und Hoffnung, aber auch Hilflosigkeit und Depressivität. Die Autorin schafft es, den Leser*innen ein kritisches, immer noch aktuelles Thema mit einer wunderbaren Leichtigkeit zu vermitteln und nimmt sie mit auf die Reise in die Psyche der Protagonistin, die sich wie ein Puzzle nach und nach zusammensetzt.

von Sina Thamm

Jean de La Fontaine sagte einmal: „Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen, die man einschlägt, um ihm zu entgehen.“ Diese Erfahrung müssen auch die fünf Protagonisten in Wolfgang Popps 2015 erschienenen Roman Die Verschwundenen (Edition Atelier) machen. Mitten im Leben brechen sie auf einmal alle Kontakte ab und tauchen unter, um fernab ihrer Heimat einen Neustart zu wagen. Erst Jahre später tauchen sie plötzlich wieder auf – entweder zufällig oder das Schicksal zwingt sie, sich an die damals Zurückgelassenen zu wenden. So wird das einst auserwählte Exil zum Schauplatz von überraschenden Wiederbegegnungen zwischen zurückhaltenden Zauderern, feinsinnigen Exzentrikern und skurrilen Sonderlingen.

Von Fiona Schwarz