Was wäre eine Adventszeit ohne das Plätzchenbacken? Während der Vorweihnachtsstress der  letzten Jahre kaum Zeit übrig ließ, neue Rezepte auszuprobieren, bietet sich das (notwendigerweise) etwas entschleunigte Jahr 2020 geradezu an, um das eigene Plätzchenrepertoire und die Back-Skills ein wenig zu erweitern – zum Beispiel mit diesen leckeren Hafer-Nuss-Plätzchen ;)

von Helena M. Stock

Es sind häufig die kleinen, persönlichen Traditionen, die wir uns entweder über die Jahre selber gestaltet oder von der Familie übernommen haben und die uns signalisieren: Bald ist Weihnachten! Da die Vorweihnachtszeit bei jedem ein wenig anders aussieht, öffnen wir heute ein weiteres Türchen unseres Adventskalenders und gewähren euch Eintritt in die Wohnzimmer der Redaktion, um unsere Advents-Traditionen mit euch zu teilen – hereinspaziert!

„Seit kurzem gibt es einen neuen Typ Schriftstellerin, der mir für den Augenblick der aussichtsreichste scheint: Die Frau, die Reportage macht, in Aufsätzen, Theaterstücken, Romanen. Sie bekennt nicht, sie schreibt sich nicht die Seele aus dem Leib […] die Frau berichtet, anstatt zu beichten.“ Was Erika Mann hier in ihrer Glosse „Frau und Buch“ als eine neue Form des weiblichen Schreibens charakterisiert, klingt auch in der Widmung an, die Margaret Goldsmith ihrem Roman Patience geht vorüber voranstellt. Von dem Anspruch, in einem Roman „wirklichen Menschen“ begegnen zu wollen ist dort die Rede: „Nur keine Illusionen, keine Romantik. Reportage willst Du haben. Ein Stück Leben“, fasst Goldsmith den Wunsch ihrer Freundin Martel Schwichtenberg zusammen, der sie das Buch gewidmet hat. Ein Stück Leben, das im Fall von Goldsmiths Protagonistin Patience auffallend modern ist und von der Autorin vor dem Hintergrund der 1920er und beginnenden 1930er Jahre geschildert wird.

von Larissa Plath

Lars Lenth – Der Lärm der Fische beim Fliegen

In Norwegen ist Lars Lenth vor allem als Profi-Angler bekannt. Somit ist es kein Wunder, dass sein Protagonist Leo Vangen in seinem zweiten Fall mit der Fischerei konfrontiert wird. Leo könnte man als Verlierer bezeichnen: mit Mitte vierzig ist er immer noch kein Volljurist, lebt im geerbten Haus seiner Eltern und vernachlässigt seine sozialen Kontakte. Die ungemeine Ruhe dieses Daseins wird jedoch gestört, als Leos Freund aus Jugendtagen, Axel Platou, an ihn herantritt und seine Hilfe benötigt. Axel hat es zum einflussreichen Lachs-Mogul Norwegens gebracht, seine Zuchtanlage wird jedoch von Ökoaktivisten bedroht und nun soll Leo als neutrale Person dort nach dem Rechten sehen.

von Sophia Ernat

Sibylle Berg – GRM

Ein fucking Rundumschlag.

Rochdale, eine in jeder Hinsicht kaputte Provinzstadt Nordenglands in nicht allzu ferner Zukunft: Die vier heranwachsenden Protagonisten Don, Karen, Hannah und Peter wollen ihre Leben, die von massiver Gewalt, Ausgrenzung und dramatischen Schicksalsschlägen und Verwahrlosung geprägt sind, eine neue Wendung geben, oder wenigstens eine andere Stadt aufmischen.

von Janina Zogass

Sibylle Berg – GRM

Die Erzählung von Sibylle Berg findet in sieben Hochhäusern, auch Seven Sisters genannt, in Rochdale und Liverpool statt. Die Handlung von dem Roman GRM –Brainfuck umfasst rund zwei Jahrzehnte und führt über das Jahr 2019 hinaus, in eine Zeit, als „der Brexit nur noch Erinnerung war“. Die Protagonisten sind vier Kinder, die an ADHS oder Autismus, Albinismus und am Hutchinson-Gilford-Syndrom leiden. Diese ADHS-Kinder befinden sich in dem Jahrtausend, das selbst „eine Überschrift hat. Sie hieß. ADHS. Kursiv darunter stand: Wir ordnen den Scheiß jetzt neu.“ Die Protagonisten leiden nicht nur an ADHS, sondern auch an der Gewalt, die ihnen durch Eltern, Männer und die Gesellschaft zugefügt wird. Sie empfinden Wut und Ärger, die sich in Grime-Musik ausdrücken lassen. Grime stellt die Hoffnung in diese kaputte und verrückt gewordene Welt dar. Die Kinder, die leider keine Kinder mehr sind, haben die Aufgabe übernommen, außerhalb des Systems zu überleben, um nicht mehr verletzt zu werden. Sie starten eine Revolution gegen die Überwachungsdiktatur, gegen die von der IT-Mafia gelenkte Regierung, gegen das System, das diese Welt kaputt gemacht hat. 

von Shipra Tholia

Die Wuppertaler Literatur Biennale findet in diesem Jahr rein digital statt und auch die Auf der Höhe-Redaktion verfolgt die Lesungen und Vorträge per Livestream von zu Hause aus. Berichtet wird trotzdem, denn ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Formate: Stift und Notizblock liegen parat, um individuelle Eindrücke, Beobachtungen und Gedanken zu den einzelnen Veranstaltungen in Form eines „Logbuchs“ festzuhalten. Wo die literarische Reise hingeht und welche (Um-)Wege die Gedanken der Redakteur*innen dabei nehmen, kann man im Folgenden nachlesen.

Es ist auch dieses Jahr wieder soweit: Halloween, das Fest der Untoten! Ein keltisches Fest, das seine Tradition auch in Deutschland gefunden hat. Vampire, Zombies und andere gruselige Kreaturen treiben in dieser Nacht ihr Unwesen – sei es durch die Verkleidungen draußen auf den Straßen oder bei uns zu Hause im Bücherschrank.

In der vorerst letzten Buchliste für das Jahr 2020 stelle ich euch meine fünf Favoriten für den morgigen Halloweenabend vor. Geschichten, die an gruseligen Orten wie Friedhöfen und in Katakomben, aber auch an eher normalen Orten wie einer Schule stattfinden können.

mary von Anthoula Hatziioannou

„Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, dann wird es im letzten Akt abgefeuert“, schrieb einst der russische Schriftsteller Anton Tschechow. In Edward Albees zum modernen Klassiker avancierten Ehekrieg-Stück kommt körperlich niemand zu Schaden – das Gewehr, mit dem George auf seine Frau Martha und die beiden Gäste zielt, entpuppt sich an diesem Abend als Regenschirm –, dass die Konfrontation eine ganz eigene zerstörerische Kraft entwickelt, ist hinlänglich bekannt. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? wurde 1962 uraufgeführt, ist zigfach adaptiert worden und taucht regelmäßig auf Spielplänen auf. Warum Albees Stück trotzdem noch immer zu fesseln vermag, demonstriert die aktuelle Inszenierung des Wuppertaler TalTonTHEATERS.

von Larissa Plath

Die Umstände haben sich verändert, das Thema bleibt: „Tier – Mensch – Maschine“ lautet die Überschrift der fünften Wuppertaler Literatur Biennale, die vom 5. bis 8. November 2020 zu Lesungen, Vorträgen, Diskussionen und Performances einlädt. Ursprünglich sollte das überregional bekannte Literaturfestival an zehn Tagen im Mai stattfinden, mit 30 Veranstaltungen und internationalen Autor*innen aus 11 Ländern. Nun wird die Biennale in reduzierter Form nachgeholt – „ein ambitioniertes Vorhaben“, so Kulturdezernent Matthias Nocke.

von Larissa Plath