Vorschau: Wuppertaler Literatur Biennale 2020

Die Umstände haben sich verändert, das Thema bleibt: „Tier – Mensch – Maschine“ lautet die Überschrift der fünften Wuppertaler Literatur Biennale, die vom 5. bis 8. November 2020 zu Lesungen, Vorträgen, Diskussionen und Performances einlädt. Ursprünglich sollte das überregional bekannte Literaturfestival an zehn Tagen im Mai stattfinden, mit 30 Veranstaltungen und internationalen Autor*innen aus 11 Ländern. Nun wird die Biennale in reduzierter Form nachgeholt – „ein ambitioniertes Vorhaben“, so Kulturdezernent Matthias Nocke.

von Larissa Plath

Nicht ohne Grund befindet sich der Mensch im Titel der diesjährigen Biennale im Zentrum. Wie sich das Verhältnis zwischen Mensch und Tier gewandelt hat, stehe ebenso im Fokus wie die Frage nach dem veränderten Verhältnis von Mensch und Maschine, erklärt Kulturbüroleiterin Dr. Bettina Paust. Die Biennale werde „aktueller denn je sein“ fügt sie mit Blick auf den im Titel enthaltenen Zusatz „Berührungen“ hinzu: Besonders in Corona-Zeiten, wo zwischenmenschliche Kontakte der digitalen Kommunikation weichen müssen, werden die eigentlichen Dimensionen von analoger und digitaler Welt erfahrbar.

Eröffnet wird die Wuppertaler Literatur Biennale am 5. November mit einer Lesung des schottischen Autors Martin Walker, der in diesem Jahr der einzige internationale Gast sein wird. Walkers Zukunftsthriller Germany 2064 über ein polarisiertes Deutschland zwischen High-Tech und Natur erschien schon 2015, erweist sich aber gerade mit Blick auf das Biennale-Motto als „hochaktuell“, so Kulturbüro-Mitarbeiterin Julia Wessel.

Der zweite Biennale-Abend bietet mit sechs Veranstaltungen ein abwechslungsreiches Programm im Café Ada und steht ganz im Zeichen von lokalen Autor*innen und ihren Arbeiten. Lesungen rund um Themen wie Mechanisierung und Künstliche Intelligenz, essayistische Arbeiten und eine Vortrags-Lesung zur Verwandlungsgeschichte des Menschen werden geboten. Außerdem nähern sich zwei literarische Publikationen aus Wuppertal dem Thema der Biennale auf verschiedene Weise an: „Was wollen wir werden“ lautet der Titel der aktuellen KARUSSEL-Ausgabe, zu der die ‚Bergische Zeitschrift für Literatur‘ Beiträge aus den Bereichen Prosa, Lyrik, Essay und Kunst liefert. neolith, das Magazin für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal, präsentiert gemeinsam mit der studentischen Initiative „Fakultät 0“ eine Text-Performance zum Motto „Dis/Play – Bewegte Schrift“.

Gleich vier Lesungen finden am Samstag statt: Angefangen bei Norbert Scheuers Roman Winterbienen über Debütromane von Berit Glanz (Pixeltänzer) und Artur Dziuk (Das Ting) bis zum Roman Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten von Emma Braslavsky nehmen die Autor*innen das Verhältnis „Tier – Mensch – Maschine“ innerhalb ganz unterschiedlicher Kontexte in den Blick.

Am Sonntag, den 8. November, wird schließlich der diesjährige Preis der Wuppertaler Literatur Biennale verliehen. Ruth Eising, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, betont die Bedeutung der Auszeichnung speziell als „nachhaltige Förderung für jüngere Autor*innen“. Sie weist auf die ehemalige Preisträgerin Anja Kampmann hin, deren Roman Wie hoch die Wasser steigen derzeit im Rennen um den National Book Award in der Kategorie Übersetzung ist. In diesem Jahr konnte sich Philipp Böhm unter insgesamt 94 Bewerber*innen durchsetzen und erhält den mit 3.000 Euro dotierten Hauptpreis der Literatur Biennale für seinen Text „Playhouse“, der Förderpreis geht an Astrid Gläsel für „Einander Gutes tun“. Die Preisverleihung wird durch einen Vortrag von John von Düffel ergänzt und findet im Skulpturenpark Waldfrieden statt.

Dort diskutieren am Nachmittag Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des Philosophie Magazins, und der Autor Ilija Trojanow über Corona und Klimawandel als aktuelle existentielle Bedrohungen und fragen nach der Rolle von Wissenschaft, Staat und Individuum. Mit einer Lesung aus seinem Roman EisTau beschließt Ilija Trojanow die diesjährige Literatur Biennale. Ursprünglich sollte der österreichische Autor Christoph Ransmayr zum Abschluss aus seinem Roman Cox oder Der Lauf der Zeit lesen, die Veranstaltung musste leider ebenso wie der geplante Lyrik-Salon „Die Tiermenschmaschine“ coronabedingt abgesagt werden.

Wiederkehrende Veranstaltungsorte, die auf ¼ eingeschränkten Kapazitäten der üblichen Besucherzahlen (zwischen 30 und 60 Besucher*innen pro Veranstaltung) und die eingehaltenen Mindestabstände und Hygienemaßnahmen gehören zum überarbeiteten Biennale-Konzept – und spiegeln nur bedingt wider, was nach fast zweijähriger Planung neu gedacht, geändert und in vielen Fällen über Bord geworfen werden musste. Die Ungewissheit bleibt, aber auch die Vorfreude darauf, Literatur und Kultur wieder live erlebbar zu machen.


Wuppertaler Literatur Biennale 2020
„Tier – Mensch – Maschine“
5.- 8. November 2020

Weitere Informationen sowie das Programmheft zum Download gibt es auf der Seite des Wuppertaler Kulturbüros

Der Ticketverkauf ist am 15.10. gestartet, die Tickets sind in diesem Jahr ausschließlich online über wuppertal-live.de erhältlich (keine Abendkasse!)