„BUnT“: Das Bergische Uni-Theater zeigt „Hannah und ihre Schwestern“

Holly (Deborah Trust, re.) klagt ihren beiden älteren Schwestern Hannah und Lee (Michelle Middelhoff und Katrin Pfeiffer, v.l.) ihr Leid. Foto: Frank Zobel

Liebesverwicklungen, Familienbande, Sinnsuche – zusammen mit einer gekonnten Balance zwischen Komik und Dramatik und nicht zuletzt der Kulisse New Yorks ergibt sich hieraus das unverwechselbare Grundgerüst eines Woody-Allen-Films. Mit der Inszenierung von Hannah und ihre Schwestern beweist das Bergische Uni-Theater „BUnT“ in seiner aktuellen Produktion, dass sich Allens oscarprämiertes Komödien-Drama hervorragend auf die Bühne bringen lässt.

von Larissa Plath

Das alljährliche Thanksgiving-Essen im Kreise von Familie und Freunden steht an und ohne Zweifel amüsieren sich die Partygäste glänzend: Im Hintergrund gediegene Jazzmusik, Häppchen werden gereicht, es wird in die Runde gelächelt und sich zugeprostet. Mittendrin die drei Schwestern Hannah (Michelle Middelhoff), Lee (Katrin Pfeiffer) und Holly (Deborah Trust), ihre Eltern Norma (Lara Förster) und Evan (Joshua Friedrichs). Hier und da bekommt man Gesprächsfetzen mit, es geht um Kriterien bei der Partnerwahl („Er nimmt weder Drogen noch sonst was!“), Karrierepläne und Erinnerungen an vergangene Zeiten.

Eigentlich könnte alles harmonisch ablaufen, würde Hannahs Mann Elliot (Robin Köster) sich nicht zu seiner Schwägerin Lee hingezogen fühlen, die wiederum eine komplizierte Beziehung mit dem Künstler Frederick (Sebastian Berg) hat. Holly, gescheiterte Schauspielerin und die Jüngste im Bunde, hadert vor allem mit sich selbst und lehnt die wohlgemeinten Ratschläge ihrer Schwestern ab. Angefangen bei diesen vertrackten Beziehungskonstellationen entfaltet sich das tragikomische Geschehen um die drei Frauen, ihre Konflikte und wechselnden Partner über zwei Jahre und drei Thanksgiving-Feiern.

Was bei Woody Allen Stoff für einen knapp anderthalbstündigen Film ist, zeigt das „BUnT“-Ensemble in der Regie von Charlotte Jäckle in einer kurzweiligen und geschickt konzipierten Version der Bühnenfassung. Gekonnt wird zwischen den verschiedenen Zeit- und Spielebenen gewechselt – im Laufe des Stücks finden zahlreiche Rückblenden statt, die Hannahs erste Ehe mit dem Fernsehproduzenten und Autor Mickey (Marc Busch) aufgreifen –, Gespräche und Monologe der jeweiligen Figuren laufen mal abwechselnd, mal parallel ab. Das Ensemble legt eine derartige Spielfreude an den Tag, dass auch kleine Versprecher nicht stören, sondern eher zur Situationskomik beitragen.

Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Bühnenbild (Frank Zobel) verändern, die so ermöglichten raschen Szenenwechsel werden von atmosphärischer Musik begleitet und durch ironische, auf eine Leinwand projizierte Kommentare ergänzt. „Der Abgrund“ steht dort weiß auf schwarz, als Mickey, Hypochonder der ersten Stunde, mit der Diagnose konfrontiert wird, vollkommen gesund zu sein. Statt des vermuteten Hirntumors ist es nun die Suche nach Antworten, nach einem Sinn im Leben, die in quält und zu abstrusen Vorhaben motiviert. Mit schwarz gerahmter Woody-Allen-Brille, subtiler Mimik und Gestik macht Marc Busch den immer etwas unbeholfen wirkenden Mickey zu einem typischen Allen-Neurotiker.

Hannah versucht derweil vergeblich, in ihrer Rolle als große Schwester zu vermitteln, erkennt dabei aber nicht, dass Elliot sich längst anderweitig orientiert und damit für Probleme zwischen ihr und Lee sorgt. Michelle Middelhoff und Robin Köster gelingt eine einfühlsame und zu jeder Zeit überzeugende Darstellung ihrer Figurenbeziehung, zu der Katrin Pfeiffer in ihrer Rolle der hin- und hergerissenen Lee den ergänzenden Part bildet.

„Ich war glücklich. Ich habe nur nicht gemerkt, dass ich glücklich war,“ erkennt Mickey schließlich. Dies gilt auch für manch andere der Figuren, die nach einigen Irrungen wieder zum Altbewährten zurückfindet. Vielen Konflikten zum Trotz ist am Ende für Hannah und ihre Schwestern manches unerwartet neu und vieles so, wie es am Anfang war (nur besser?). Als jüngste Schwester bringt es Holly auf den Punkt: „Wer kann sich solch’ eine Story ausdenken?“, fragt sie und macht kurzerhand ihr eigenes Drehbuch daraus. Kunst und Leben liegen eben doch nah beieinander.

New York als Kulisse, ein intellektuelles Künstlermilieu und skurrile Charaktere sind die klassischen Elemente vieler Allen-Filme und bestimmen auch den Grundtenor von Hannah und ihre Schwestern. Gänzlich unbeschwert lässt sich der preisgekrönte Klassiker von 1986 angesichts der Missbrauchsvorwürfe gegen Allen nicht sehen, ist doch strittig, wo und ob eine Grenze zwischen Kunst und Lebenswirklichkeit verläuft. In diesem Kontext verfasste das Uni-Theater für sein Programmheft einen differenzierten Kommentar zur Auswahl des Stücks. Von der Kontroverse um den Regisseur möchte man sich im Fall einer Inszenierung, die Allens Film als Vorlage nimmt, aber nicht beeinflussen lassen.

Die Bühnenversion, die das „BUnT“-Ensemble am vergangenen Wochenende auf eindrucksvolle Weise dargeboten hat, lässt sich noch an zwei Abenden im Hörsaal-Theater der BUW erleben – ansehen!

 

Hannah und ihre Schwestern
Eine Komödie von Woody Allen

Weitere Aufführungen:

Fr., 24.01.2020
Sa., 25.01.2020
an beiden Tagen um 19 Uhr in Hörsaal 33 der Bergischen Uni

Der Eintritt kostet 6 Euro (ermäßigt 4 Euro). Karten können an der Abendkasse erworben oder hier vorbestellt werden.

Regie: Charlotte Jäckle
Bühnenbild: Frank Zobel
Technik: Benjamin Blum und Fabrice Feider

Besetzung:

Sebastian Berg, Marc Busch, Lara Förster, Joshua Friedrichs, Sarah Görgen, Rebekka Herrig, Jana Horst, Svenja Kersten, Robin Köster, Michelle Middelhoff, Soraya Pour Mohammadi, Franky Ndomo, Erich-Gabriel Suslo, Katrin Pfeiffer, Nadine Reubsaet, Deborah Trust, Verena van der Linde.