Das Bergische Unitheater BUnT spielt: „Der Katzelmacher – Was will der denn hier?“

Ein Dorf, frustrierte Einwohner, unerfüllte Träume, der Neid auf die anderen und immer wieder die Suche nach der Liebe – oder auch nach der zwanglosen Leidenschaft. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, dass diese spannungsgeladene Mischung sich entlädt. Und wie ginge das wohl leichter, als durch etwas Fremdes, Unbekanntes, das die alltägliche Routine durchbricht und in das man all seine Emotionen kanalisieren kann?

von Rebekka Herrig

Als der Gastarbeiter Jorgos, gespielt von Marcus Walter, in der Fabrik von Elisabeth Plattner (Verena van der Linde) zu arbeiten beginnt, ist die restliche Dorfgemeinschaft in Aufruhr.

Was ist das denn für einer? Wo kommt der her? Und was will der überhaupt hier?!
Nicht nur der erste Angestellte und Geliebte der „Plattnerin“, Bruno (Dardan Ramadani), ist neidisch auf den gut gebauten Ausländer, auch machen schnell Gerüchte die Runde. Gemischt mit einer Menge Vorurteilen – und hie und da einem Fünkchen Wahrheit? – entsteht bei den Dorfbewohnern sehr schnell ein Bild von „dem Fremdarbeiter“.
Während Marie (Katrin Pfeiffer) sich in ihrer liebestollen Vorstellung eines gemeinsamen Lebens in Griechenland verliert, ist für die beiden Kumpel Erich und Paul (herrlich wütend: Sebastian Berg und Marc Busch), Pauls Freundin Helga (Yvonne Schnickmann), den stillen Franz (Erich-Gabriel Suslo), die eingebildete Gunda (Nadine Reubsaet) und die Möchtegern-Starsängerin Ingrid (Deborah Trust) schnell klar: Den wollen wir hier nicht!

Geplagt von eigenen privaten Problemen setzen sie nun (auch ohne Gang-Lederjacken) einiges daran, diesen Eindringling wieder loszuwerden.

Sympathie zu einem der mit negativen Emotionen aufgeladenen Charaktere aufzubauen, fällt hierbei schwer. Da ebenfalls nicht von Lügen und Vorurteilen frei, schafft dies auch der griechische Gastarbeiter Jorgos nicht, der, auch „Katzelmacher“ genannt, dem Drama nach Rainer Werner Fassbinder seinen Namen verlieh. Einzig die Rolle der Fabrikbesitzerin verdient sich, trotz ihrer keinesfalls einwandfreien Moral, durch ihre Prinzipientreue und ihren stetigen Widerstand gegen das Kollektiv ein paar Sympathiepunkte.

Die Regie, die in diesem Semester erstmalig bei der Studentin Michelle Middelhoff und ihrem Assistenten Robin Köster lag, schafft es sowohl durch Anspielungen, als auch durch eindeutige Hinweise wunderbar, die Spannungskurve und Handlungsdichte zum Höhepunkt zu treiben.

Unterstützt werden sie dabei durch Charlotte Jäckle und Frida Stein, die es hervorragend geschafft haben, musikalisch-szenische Einlagen mit dem vorhandenen Material zu verweben.

Dank eines etwas abrupten Endes, welches sicherlich weniger der Inszenierung, als dem Stück selber zuzuschreiben ist, lässt die 60 minütige Vorstellung über negative Menschenbilder, Rassismus, Neid, die Macht von Gerüchten, Naivität und Gewalt sicher nur wenig beruhigte Gemüter zurück, sondern lädt stattdessen zum Nachdenken und Diskutieren ein.

Wer sich dies nicht entgehen lassen möchte, hat noch zwei Möglichkeiten, sich das Theaterstück zu Gemüte zu führen:

Heute am 25.1., sowie morgen am Samstag, den 26.1., verwandelt das Ensemble des Bergischen Unitheaters BunT jeweils ab 19:30 Uhr den Hörsaal 33 erneut in eine Theaterbühne.
Karten können zu einem Preis von 6€, für Schüler und Studenten für ermäßigte 4€, an der Abendkasse erworben werden.

 

Auf der Bühne:

Bruno: Dardan Ramadani

Elisabeth: Verena van der Linde

Erich: Sebastian Berg

Franz: Erich-Gabriel Suslo

Gunda: Nadine Reubsaet

Helga: Yvonne Schnickmann

Ingrid: Deborah Trust

Jorgos: Marcus Walter

Marie: Katrin Pfeiffer

Paul: Marc Busch

 

Hinter den Kulissen:

Regie: Michelle Middelhoff

Regieassistenz: Robin Köster

Inszenierung: Charlotte Jäckle, Frida Stein

Licht: Benjamin Blum

Bühnenbild: Frank Zobel

Öffentlichkeitsarbeit: Niklas Selz

Plakat & Flyer: Aileen Liu

 

Foto: Martin Wosnitza