Jazz aus aller Welt: „Crossroads 3000“ im Skulpturenpark

IMG_7799von Julia Wessel

Trotz des nachmittäglichen Schauers sind die Stuhlreihen vor der Open Air-Bühne voll besetzt, auf dem Hügel dahinter haben es sich weitere Zuschauer auf Picknickdecken in der Abendsonne gemütlich gemacht. Die renommierte Konzertreihe Klangart, die seit 2009 mit anspruchsvoller Jazz- und Weltmusik zu besonderen Konzerterlebnissen in den Skulpturenpark lädt, vereinte am 21. Juli vier sehr verschiedene Ausnahmemusiker zu einer außergewöhnlichen Melange: Der deutsche Jazzpianist Joachim Kühn teilte sich die Bühne mit dem malischen Ngoni-Spieler Bassekou Kouyate, dem marokkanischen Gnawa-Maalem Majid Bekkas und dem britischen Schlagzeuger Gary Husband. Unter dem Projekttitel „Crossroads 3000“ eröffneten die Musiker die Open-Air-Saison der KLANGART-Reihe mit einer ebenso anspruchsvollen wie mitreißenden Mischung.

Seit zehn Jahren schon brenne er darauf, gemeinsam mit Bassekou Kouyate Musik zu machen, erzählt Joachim Kühn. Während er mit großen Worten über sich selbst wie üblich eher zurückhaltend ist, preist Kühn seine Mitmusiker immer wieder in den höchsten Tönen an – und das zu Recht: Bassekou Kouyate hat sich inzwischen über die Grenzen seines Heimatlandes Mali hinaus einen Namen gemacht. Er revolutionierte die Ngoni – eine Art Laute mit metallisch scharfem Klang – durch ihre elektronisch verstärkte Spielweise, die das außergewöhnliche Instrument mal ähnlich einer E-Gitarre vibrieren lässt, um dann wieder sehnsuchtsvolle Töne anzuschlagen.

Die beiden Musiker scheinen sich gegenseitig mit Hilfe ihrer Instrumente zu antworten, Joachim Kühn nimmt immer wieder Motive von Bassekou Kouyate auf, der mit zustimmendem Gelächter lauscht und schließlich wieder übernimmt. Es scheint, als würden die Stücke im Spielen erst entstehen und die Protagonisten in stetigem Blickkontakt über ihren Fortgang kommunizieren. Joachim Kühn ist dabei so dicht über die Tasten gebeugt, dass er scheinbar kopfüber in den Flügel zu stürzen droht. Er schüttelt energisch den Kopf hin und her, während er leichthändig, aber doch intensiv die Töne anschlägt. Eine ganz andere Note verleiht der Musik das E-Piano, an das Joachim Kühn zwischenzeitlich wechselt: Zurückhaltender als der Flügelklang durchmischen sich die Töne beinahe mit denen der Ngoni.

Die Basis für dieses musikalische Gespräch schaffen Majid Bekkas und Gary Husband. Ersterer, der schon häufiger mit Joachim Kühn spielte, allerdings erstmalig bei Klangart zu Gast ist, entlockt der Guembri treibende Basslinien, die das Geschehen stützen. Doch Majid Bekkas bleibt keineswegs ein Nebendarsteller, sondern tritt immer wieder als Solokünstler hervor und begleitet seinen eigenen Gesang mit marokkanischen Bluesmelodien. Auch Gary Husband versteht es, den Klang der anderen Instrumente zu tragen, sich dabei jedoch im Hintergrund zu halten – bis zu seinen mitreißenden Drumsoli, die seitens des Publikums mit Szenenapplaus belohnt werden. Auch die pausierenden Musiker beobachten ihre Kollegen begeistert, beinahe ungläubig, sobald einzelne Instrumente in charakteristischen Soloparts hervortreten. Einige Stücke sind wohl für Jazz-ungeübte Ohren ein ungewohntes Hörerlebnis, andere bieten hingegen mit eingängigen Melodien und sanfteren Rhythmen einen Moment zur Entspannung in dieser besonderen Atmosphäre. Erst nach Standing Ovations und einer Zugabe entlässt das Publikum die vier Musiker in den verdienten Feierabend.

Drei Termine im August und September stehen in dieser Saison noch aus. Die künstlerische Leitung der von der Cragg Foundation ausgerichteten Begegnung von Natur, Kunst und Musik trägt in diesem Jahr zum 10. Jubiläum der Konzertreihe erneut Maik Ollhoff unter der Beratung von KLANGART-Initiator E. Dieter Fränzel.

 

KLANGART 2018
05.05.-15.09.2018
Skulpturenpark Waldfrieden
Hirschstraße 12
42285 Wuppertal

Verbleibende Termine:

Samstag, 25. August 2018
Eurasians Unity: „Musikalische Metamorphosen“

Sonntag, 26. August 2018
Fatoumata Diawara: „Mali Blues“

Samstag, 15. September 2018
„Der Wald schaut und hört gespannt zu“

Die Eintrittspreise für die Konzerte variieren, für Studierende gibt es Ermäßigungen.