Bücher zur WM 2018

Die Fußballweltmeisterschaft hat begonnen und ihr sucht etwas, um die quälend lange Zeit zwischen den einzelnen Spielen zu überbrücken? Wir stellen euch Literatur aus einigen der Teilnehmerländer vor und das eine oder andere Fußballbuch. Euch lässt die WM absolut kalt? Kein Problem. Unsere Titel sind so fesselnd, dass sie sich auch zum Klang von Fangesängen aus der Nachbarschaft (oder dem eigenen Wohnzimmer) wunderbar lesen lassen.

Nadine empfiehlt:
Kolumbien

Gabriel García Márquez – Von der Liebe und anderen Dämonen

Nicht der Fußball, aber ein anderes globales und wichtiges Thema wird in diesem weniger bekannten Roman García Márquez‘ behandelt: die Liebe. Das knapp 200 Seiten starke Büchlein erzählt die Geschichte des zwölfjährigen Mädchens Sierva María im Kolumbien des 18. Jahrhunderts, die von einem tollwütigen Hund gebissen wird. Nachdem alle Behandlungen fruchtlos scheinen, wird Pater Delaura angeheuert, um eine Teufelsaustreibung vorzunehmen – doch der Mann und das Mädchen verlieben sich.
Gabriel García Márquez schreibt wunderschön und bildhaft über die verbotene Liebesgeschichte, übt allerdings gleichzeitig Kritik an der damaligen kolumbianischen Gesellschaft, in der der Sklavenhandel, die Dekadenz der Aristokratie und vor allen Dingen die Inquisition einen großen Stellenwert hatten. Ein kurzer, aber dennoch vielschichtiger Roman des Literaturnobelpreisträgers.

Kerstin empfiehlt:
Schweden

Linda Boström Knausgård – Willkommen in Amerika

Als ihr Vater stirbt ist sich Ellen sicher: Gott hat ihre Bitte erhört und sie hat die Schuld an seinem Tod. Als Konsequenz spricht sie fortan kein Wort mehr und doch lässt Boström Knausgård sie dieses von der Kritik als „poetisches Kammerspiel“ bezeichnete Debüt erzählen. Darin geht es um das angespannte Verhältnis zum älteren Bruder und um die Reaktionen der Schule auf Ellens plötzliches Verstummen. Besonders aber geht es um die Beziehung zu Ellens Mutter, einer erfolgreichen und vor Lebenslust strotzenden Schauspielerin, Familie und Erinnerungen an eine Zeit, in der die Eltern noch ein Paar waren. Was vielleicht bedrückend klingen mag wurde von der Autorin in eine luftig-leichte Erzählung gewebt, die dem Leser nicht nur die Innenansichten einer facettenreichen Familie bietet sondern auch die Atmosphäre eines skandinavischen Sommers.

Julia empfiehlt:
Peru

Mario Vargas Llosa – Das böse Mädchen

Schon als 15-Jähriger verfällt Ricardo dem bösen Mädchen, das sich als Chilenin ausgibt und spurlos verschwindet, als sich ihre Identität als Schwindel herausstellt. Sein Leben verschlägt ihn vom heimatlichen Lima in die verschiedensten Winkel der Welt, nach Paris, London, Madrid und Tokio. Doch das böse Mädchen scheint überall auf ihn zu warten, immer unter einem anderen Namen, immer an der Seite reicher Männer und immer in Schwierigkeiten. Ricardo scheint der faszinierenden Frau nicht entkommen zu können – oder zu wollen. Mit gewaltiger Erzählkraft entwirft der peruanische Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa eine ungewöhnliche Liebesgeschichte über Besessenheit und Abhängigkeit, die sich so gar nicht wie eine Liebesgeschichte liest. Vielmehr erzählt der Roman anhand von historisch-politischen Eckpunkten vom Leben in verschiedenen Ländern und verschiedenen Jahrzehnten, von peruanischen Guerillakämpfen bis hin zu den Studentenbewegungen der europäischen 68er Jahre.

Kerstin empfiehlt:
Nigeria

Nnedi Okorafor- Lagune

Lagos- Millionenmetropole, Megacity, Moloch. Das Leben in der zweitgrößten Stadt Afrikas ist geprägt von Gewalt, die reiche Oberschicht verschanzt sich in ihren so gut wie militärisch bewachten Compounds und die Politik erweist sich als machtlos gegen die Korruption, die wie ein Krebsgeschwür die Gesellschaft durchsetzt. Aber was wäre, wenn nicht bloß ein neuer Präsident gewählt würde, dessen Idealismus ebenso der Käuflichkeit und den Intrigen der Stadt zum Opfer fallen wird, wie der seines Vorgängers? Was, wenn Hilfe von außen käme? Sehr weit außen.
Nach einer unerwarteten Flutwelle befindet sich Lagos in Aufruhr. Das Meer und seine Lebewesen verhalten sich nicht länger wie gewohnt. Auch für die drei Protagonisten ist nichts mehr wie zuvor, seit sie sich wie von einer unsichtbaren Macht geleitet zum Zeitpunkt der Katastrophe am Strand getroffen haben und erkennen, dass ihre neu gegründete Gemeinschaft einem höheren Zweck dient.

Marcel empfiehlt:
Deutschland

Bruno Laberthier – Alle Böcke beißen. Ein (Un)Sittenroman und Fußballkrimi aus Köln

Der FC Köln-Krimi „Alle Böcke beißen“ vereint zwei populäre Genres miteinander, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Fußball und Kriminalliteratur.
Gleichwohl ist der Titel für einen Köln-Fan bereits kriminell gewählt, rezitiert er doch einen Stadiongesang des Kölner Erzfeindes Borussia Mönchengladbach: „alle Böcke beißen, nur der Kölner Scheiss-Bock nicht“. Da blutet das Kölner-Fußballherz. Ebenso blutig ist der Plot dem gemeinen Krimigenre entlehnt, da im Geißbockheim eine Spielerfrau beinahe totgeprügelt aufgefunden wird. Dem Ich-Erzähler und Ermittler Klaus Vogel, der eigentlich keiner ist (sowohl Ermittler als auch Vogel), ist Langzeitstudent und Dauerkartenbesitzer. Ihm fallen Merkwürdigkeiten in diesem Fall auf, die er aufzuklären versucht. Damit changiert dieser Fußballkrimi stets zwischen Fiktion und Realität, da vor allem aktuelle Themen aus der Fußballwelt, wie Korruption und Doping, verarbeitet werden. Zur Zeit der Weltmeisterschaft 2018 in Russland sind es eben diese Themen, die – statt des eigentlichen Fußballs – die Nachrichtenlage bestimmen.
Diese Voraussicht gepaart mit einem enormen Unterhaltungswert und einem Augenzwinkern machen den Fußballkrimi nicht nur für Fußballfans und Köln-Liebhaber lesenswert und bietet sich hervorragend für die Lektüre nach dem Spiel an.