Von Glastieren und anderen Kartenhäusern: Das Schauspiel Wuppertal zeigt Tennessee Williams‘ „Die Glasmenagerie“

Das Theater am Engelsgarten führt Tennessee Williams' "Die Glasmenagerie" auf. Foto: Uwe Schinkel.

IMG_7799von Julia Wessel

Die Spielzeit der Wuppertaler Bühnen neigt sich dem Ende zu. Doch während schon erste Einblicke in die nächste gewährt werden, steht die vorletzte Premiere der aktuellen Saison vor der Tür: Ab dem 16. Juni zeigt das Schauspielensemble im Theater am Engelsgarten Tennessee Williams‘ Die Glasmenagerie – Traumwerkstatt, Erinnerungskarrussel, Familiendrama.

Jede Familie hat ihr Päckchen zu tragen. So auch Amanda, ihre Tochter Laura und ihr Sohn Tom, vom Familienvater verlassen, entwurzelt und auf engstem Raum zusammengepfercht. Aus dieser Situation findet jedes der Familienmitglieder einen eigenen Ausweg: Mutter Amanda lebt in der Vergangenheit und will ihre unerfüllten Sehnsüchte nun von ihren Kindern verwirklicht sehen. Tom muss die Rolle des Familienernährers übernehmen, flüchtet sich aber zunehmend ins Kino, in die Welten seiner Helden. Die leicht gehandicapte Laura zieht sich vollends aus dem sozialen Leben zu ihrer Armee aus Glastierchen zurück. Bis eines Tages der gutaussehende Jim zu Besuch kommt – und mit ihm die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Um das beklemmende Schicksal des dysfunktionalen Familienkonstrukts abzubilden, hat die Bühnen- und Kostümbildnerin Anne Manss ein ebenso ungewöhnliches wie in vielerlei Hinsicht aktuelles Objekt ausgewählt: einen Überseecontainer. Nach und nach öffnen die Protagonisten diese Büchse der Pandora und beschwören dabei anhand einzelner Gegenstände einen Strudel aus Erinnerungsfetzen hinauf. Martin Kindervaters Inszenierung will die Staubschicht von Williams‘ größtem Erfolgsstück entfernen, indem sie die Zuschauer mit Hilfe verschiedener Assoziationen über eigene Erinnerungen stolpern lässt und damit individuelle Bezugspunkte liefert. So werden etwa – ausgehend vom Kosmos Kino, in den Tom sich flüchtet – Filme aus verschiedensten Jahrzehnten zitiert, was das gesamte Setting aus einer bestimmten Datierung heraushebt und für jeden Zuschauer auf seine Weise aktuell werden lässt.

Die Glasmenagerie wurde 1944 in Chicago uraufgeführt und verhalf Tennessee Williams zu seinem bis dato größten Broadwayerfolg. Gespickt mit eindeutigen autobiografischen Bezügen erzählt er die ernüchternde Geschichte von vier Individuen, die sich selbst etwas vorspielen, um den schönen Schein zu wahren – zerbrechlich wie die Tiere der Glasmenagerie. Letztlich bleibt jedoch nur das Zugeständnis, dass manche Träume eben einfach nur Träume bleiben.

Die Glasmenagerie
ein Spiel der Erinnerungen von Tennessee Williams
Deutsch von Jörn van Dyck

Inszenierung: Martin Kindervater
Bühne & Kostüme: Anne Manss
Dramaturgie & Produktionsleitung: Peter Wallgram
Regieassistenz: Jonas Willardt
Inspizienz: Charlotte Bischoff

Besetzung:

Julia Wolff: Amanda Wingfield
Lena Vogt: Laura Wingfield
Konstantin Rickert: Tom Wingfield
Alexander Peiler: Jim O’Connor

Termine im Theater am Engelsgarten:

Sa. 16. Juni 2018 19:30 Uhr
So. 17. Juni 2018 18:00 Uhr
Do. 21. Juni 2018 19:30 Uhr
Sa. 30. Juni 2018 19:30 Uhr
Fr. 06. Juli 2018 19:30 Uhr
Sa. 07. Juli 2018 19:30 Uhr