Der unwahrhaftige Erzähler. Lüge und Wahrhaftigkeit im „Snemaere“ des Strickers.

marcelvon Marcel Böhne

Über Lüge und Wahrhaftigkeit

Ein Mann kommt nach vier Jahren von einer Geschäftsreise wieder nach Hause, seine Frau empfängt ihn mit einem kleinen Kind an der Hand. Auf die Frage, wem dieses Kind gehöre, entgegnet sie ihm, dass sie sich nach ihm sehnte, in den Garten ging und dort Schnee gegessen habe, darauf hin seine Liebe empfing und schwanger wurde. Somit gehöre das Kind ihm.

Der Plot des Stricker-Mären klingt nach dem ersten Lesen plausibel und wir würden die Geschichte so glauben. Denn der Rezipient ordnet sie ins Reich der Fiktionen ein. Die Geschichte ist in sich schlüssig und ähnelt einem Märchen. Andererseits könnten wir fragen, ob die Frau  in der Zeit der Abwesenheit ihres Mannes einfach fremdgegangen ist und sie sich somit einer Lüge bedient?

Gehen wir dieser Lesart nach, müssen wir fragen, wieso die Antwort der Frau auf den Rezipienten wie eine Lüge wirkt? Dieser rezeptionsästhetische Ansatz, – das meint die Frage nach der Wirkung des Textes auf den Rezipienten, beziehungsweise die Entstehung des Textsinnes durch die Rezeption –, soll im Folgenden verfolgt werden. Doch was ist überhaupt eine Lüge und ist die Wahrheit ihr Gegenteil? Schauen wir uns dazu die historische Entwicklung der Begriffe ‚Lüge‘ und ‚Wahrhaftigkeit‘ an. Eine erste theologische Betrachtung finden wir bei AUGUSTINUS:

Es gibt viele Arten der Lüge und wir müssen sie alle hassen. Aber immer ist die Lüge der Wahrheit entgegengesetzt wie Licht und Finsternis, Frömmigkeit und Gottlosigkeit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Sünde und Rechttun, Vernunft und Torheit, Leben und Tod.1

Bei AUGUSTINUS ist die Lüge das Gegenteil von Wahrheit. Dieser Gegensatz ist vor allem moralisch konnotiert, so dass eine Aussage entweder wahr oder falsch ist und wer sich einer Lüge, das heißt, einer falschen Aussage bedient, missbraucht die Sprache als Kommunikationsmittel, welches für ein gelungenes Zusammenleben unabdingbar ist.2
Doch die moralische Betrachtung geht nicht weit genug auf die Alltagskommunikation und die Sprache mit ihren Möglichkeiten ein. Die Definition von AUGUSTINUS beantwortet nicht die Frage, wie mit einem Irrtum umzugehen ist, wenn zum Beispiel eine Person etwas sagt, das sie selbst für die Wahrheit hält, dies aber nicht zutrifft. Eine moderne Betrachtung der ,Lüge‘ finden wir bei FALKENBERG:

Das Gegenteil der Lüge ist nicht die Wahrheit – wie die klassische Theorie annimmt, wenn sie die Falschheit zum Konstituens der Lüge erklärt und dadurch Lüge und Irrtum in einen Topf wirft  –, sondern die Wahrhaftigkeit[.]3

Nach FALKENBERG birgt die Lüge stets die Möglichkeit des Irrtums in sich. „Heute regnet es“ wäre eine falsche Behauptung, wenn es tatsächlich nicht regnet. Folgerichtig ist diese Aussage unwahrhaftig, obwohl der Sprecher diese geglaubt hat. Diesen Sachverhalt präzisiert KOCHER: „Eine Person lügt, wenn sie etwas bewusst behauptet, das sie zur gleichen Zeit selbst nicht glaubt.“4

Eine Lüge entsteht also nur dann, wenn eine Person sagt: „Heute regnet es“ und sie zur gleichen Zeit nicht daran glaubt, dass es tatsächlich regnet. Somit muss der Empfänger einer Aussage abwägen, ob sie bewusst zur Täuschung dient oder unbewusst nicht wahrhaftig ist. Mithin ist die Lüge ein sprachlicher Akt und die Wahrhaftigkeit eine Eigenschaft der Person nebst ihrer sprachlichen Behauptungen. KOCHER definiert daher die Wahrhaftigkeit als „subjektive Wahrheit“.5

Jedes Individuum hat seine eigene Perspektive auf die Welt und damit auch eine eigene subjektive Wahrheit. Diskurstheoretisch würde dies bedeuten, dass das, was allgemeingültig für wahrhaftig angenommen wird, wie „die Erde ist rund“, stets die Behauptung ist, die sich im Diskurs durchgesetzt und folglich die Macht hat. Dies ist dem historischen Wandel unterlegen, wie das Beispiel „die Erde ist rund“ zeigt, denn im Mittelalter galt es als wahrhaftig, dass die Erde eine Scheibe ist, weil sich ebendiese Behauptung den Diskurs beherrscht und von allen Teilnehmern akzeptiert wurde. Heute hat sich im selben Diskurs eine diametrale Ansicht etabliert, jedoch ist es falsch zu behaupten, das Mittelalter habe gelogen. Damit ist die Wahrhaftigkeit einer Behauptung, die im Diskurs für wahr angenommen wird, ebenfalls subjektiv.

Problematisch ist, dass wir nicht wissen können, was eine Person tatsächlich glaubt oder nicht glaubt. Somit muss die Bewertung einer Aussage als Lüge immer kritisch untersucht werden. Dies wird nun unsere Aufgabe sein.

Die Lenkung des Rezipienten

Das Märe beginnt typischerweise mit einem Promythion (= vor der Geschichte), einem kleinen Prolog in abgewandelter Form des Erzählers.6 Es ist zumeist auf die Geschichte bezogen und durch den Erzähler interpretiert:

Es het ein koufman ein wip,

diu was im lipe als der lip.

er waer ir liep, des jah ouch sie,

iedoch gewan ir herze nie

die wahrheit darinne:

daz waren valsche minne.

(Fassung A, V. 1-6)

Dem Rezipienten wird im Schneekind A von Beginn an vorgeführt, dass der Mann seine Frau liebt („diu was im lipe als der lip“ V. 2). Dies bezeugt die Frau in der indirekter Rede („er waer ir liep, des jah ouch sie“ V. 3), jedoch sei dies nicht ihre innere Haltung, konstatiert der Erzähler („iedoch gewan ir herze nie / die wahrheit darinne“ V. 4f.). Dieser Widerspruch zwischen der indirekten Rede der Frau und der Behauptung des Erzählers demaskiert die Frau offenbar als Lügnerin, da sie etwas sagt, was sie anscheinend nicht glaubt. Das Wissen, dass ihr Herz nie die Wahrheit errungen hat („gewan ir herze nie“), kann nur ein heterodiegetischer Erzähler haben, denn das Wort „nie“ ist eine verstärkte Verneinung und bedeutet zugleich, dass es auch in Zukunft nicht zutreffen wird. Dem Rezipienten wird die innere Haltung der Frau mitgeteilt, also etwas, das nur die Frau wissen kann. Dadurch ist der Erzähler im Promythion heterodiegetisch und extradiegetisch. Dies hat zur Folge, dass die Behauptung der Frau im Widerspruch zu ihrer inneren Haltung steht, die dem Rezipienten durch den Erzähler mitgeteilt wird.

Wird dieser Beobachtung die Definition von ‚Lüge‘ zugrunde gelegt, dann ist es eindeutig, dass die Frau selbst nicht daran glaubt, was sie in der indirekten Rede behauptet. Bekräftigt wird diese Ansicht durch die Wertung des Erzählers, der dieses Verhalten als „valsche minne“ (V. 6) wertet. Der Rezipient besitzt nunmehr ein negatives Vorwissen bezogen auf die Frau, bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Dies muss als Rezipientenlenkung verstanden werden. Anders gesagt: Der Erzähler versucht den Leser von seiner Sichtweise zu überzeugen. Was eindeutig erzählt wird, muss hinterfragt werden.

Weltwissen und Textsinn: Die narrative Leerstelle

Die Geschichte beginnt damit, dass der Mann vier Jahre in ein fremdes Land fährt, um seiner Tätigkeit als Kaufmann nachzugehen.

er huop sich uf dez meres fluot,

als noch manic koufman tuot

do kom er in ein fremdez lant,

[…] daz er nie wider heim quam,

unz daz vierde jar ende nam.

(Fassung A, V. 11ff.)

In diesem Zitat werden keine topographischen Angaben gemacht. Durch diese Nichtbenennung des Ortes „[wird] die Gültigkeit für den ganzen Erdkreis suggeriert“.7 In der Fassung B fehlt ebendiese konkrete Zuschreibung des Ortes der Reise des Kaufmannes. Dort wird die Reise nur in zwei Versen erwähnt („do er sins koffez für, / daz er bejagte gŭt“ V. 8f.). Somit ist für die Geschichte nicht relevant, wo der Kaufmann hinfährt, sondern dass er in ein anderes Land fährt. Damit signalisiert der Text, dass der Ehemann von seiner Frau weit entfernt ist. Diese Erzählweise ist deshalb so wichtig, weil ihn die Frau nach seiner Rückkehr mit einem kleinen Kind an der Hand begrüßt:

sin wip in minneclichen enphienc,

ein kindelin mit samt ir gienc.

do vragt er der maere

wes daz kint waere.

(Fassung A, V. 19-22)

Auffällig ist, dass wieder von einem hetero- und extradiegetischen Erzähler berichtet wird, da die Frau den Mann „minneclichen“ empfing. Dieses Wissen nach der Art und Weise wie die Frau ihren Mann empfängt, kann nur von einer Erzählinstanz mit Nullfokalisierung erzählt werden.8

Die Frage nach der Herkunft des Kindes korrespondiert mit der Erwartungshaltung des Rezipienten, die nur deshalb entstehen kann, weil der Rezipient über das nötige Weltwissen9, dass eine Schwangerschaft neun Monate andauert, verfügt. Der Rezipient gleicht sein Weltwissen, das heißt die zeitliche Angabe in der Geschichte mit dem damit entstehenden Textsinn ab. Anders gesagt: Im Rekurs auf sein Weltwissen schlussfolgert der Rezipient, dass die Frau nicht von ihrem Ehemann schwanger werden konnte und interpretiert, dass sie fremdgegangen sein muss.

Daher lautet meine erste These: Der Text ist so angelegt, dass Frau unwahrhaftig wirkt, weil der Erzähler ebendiese Spur legt. Dieser Textsinn wird nicht erzählt, sondern entsteht erst durch den Rezipienten.

Dieser erfährt durch die Verknüpfung von Weltwissen und Textsinn eine erfüllte Erwartungshaltung, die darin resultiert, dem Erzähler als Autorität den Wahrhaftigkeitsanspruch zuzuschreiben und die Frau als Lügnerin zu beurteilen. Denn „[e]in Text ergibt nicht von selbst Sinn, sondern eher durch Interaktion von TEXTWISSEN mit GESPEICHERTEM WELTWISSEN der jeweiligen Sprachverwender“.10

Wie Textsinn durch die Relation von Weltwissen und der fiktionalen Welt des Textes entsteht, zeigt die Zahl der vierjährigen Abwesenheit des Mannes. Die Zahl hat eine besondere Funktion, weil diese Angabe in der Fassung A von anderen Fassungen, wie der Vorlage Modus Liebinc und dem Schneekind B, abweicht,11 um deutlich hervorzuheben, dass das Kind von einem anderen Mann gezeugt sein muss. Dieser Realitätsbezug zwischen der Jetzt-Welt im Text und der Welt des Rezipienten wird im Folgenden weiter verknüpft. Die Frau respondiert:

herre, mich geluste din,

do gie ich in min gertlin.

des snewes warf ich in den munt,

do wurde mir din minne kunt,

do gewan ich ditze kindelin.

(Fassung A, V. 23-27)

An dieser Stelle steht der Rezipient vor dem Problem zweier Lesarten, denn zum einen liegt durch das zuvor Erzählte nahe, dass die Frau ihren Mann betrügt, da in der ‚Realität‘ keine Frau durch das Essen von Schnee, die Liebe ihres Mannes empfängt und daraufhin – gleichsam einer unbefleckten Empfängnis – schwanger werden kann.12 ‚Realität‘ versteht sich hier im Sinn Barthes‘:

[A]lle kulturellen Codes, von Zitat zu Zitat verstreut, bilden in ihrer Gesamtheit ein kleines enzyklopädisches, merkwürdiges zusammengestückeltes Wissen, einem Wust: dieser Wust bildet die landläufige ‚Realität‘ im Verhältnis zu dem Subjekt sich anpaßt und lebt.13

Die Behauptung der Frau wirkt wie eine unwahrhaftige Aussage. Doch nach Kocher liegt nur dann eine Lüge vor, wenn die Person nicht an das Gesagte zur gleichen Zeit glaubt, und genau dieses kann der Frau anhand des Textes nicht nachgewiesen werden, weil die innere Haltung sowie Gedanken der Figur in der Geschichte nicht erzählt werden. Zum anderen wird nicht eindeutig ersichtlich, ob sich die beiden Figuren in einer erzählten Welt befinden, in der das Schwangerwerden durch das Essen von Schnee notwendigerweise der Fall ist. Es besteht die Möglichkeit, dass die Frau von einem Wunder berichtet, indem die unbefleckte Empfängnis in der erzählten Welt funktioniert. Unterstützt wird diese Idee durch die symbolische Betrachtung des Gesagten. Denn die Farbe des Schnees, das Weiß, ist ein Symbol für unbefleckte Empfängnis sowie für Reinheit und Jungfräulichkeit.

Genau diesen erzählerischen Kniff wendet die Fassung B nicht an, denn dort heißt es:

do er sins koffez für,

daz er bejagte gŭt

als noch vil manger tŭt,

bi ainen andern man

si ain kint gewan.

(Fassung B, V. 8-12)

Hier wird explizit erzählt, dass die Frau während der Abwesenheit ihres Ehemannes von einem anderen Mann schwanger wurde. Es besteht demnach kein Zweifel daran, dass die Frau lügt, weil dem Rezipient diese Tatsache eindeutig mitgeteilt wird. Der Erzähler berichtet also von der Handlung der Frau, während der Mann auf Reisen ist. Der Rezipient hat sodann ein Vorwissen, welches der Mann nicht hat, dadurch ist der Erzähler hetero- und extradiegetisch.

Es liegt also nahe, dass die Frau im Schneekind B ihren Mann durch eine Lüge als sprachlicher Akt zu täuschen versucht.

Davon kann im Schneekind A nicht ausgegangen werden, da der Betrug nicht erzählt wird, sondern in Form einer Leerstelle offenbleibt. Diese Leerstelle besteht darin, dass von der Figur nur das preisgegeben wird, was der Erzähler für seine einseitige Darstellung benötigt. Ein hetero- und extradiegetischer Erzähler hat theoretisch das Wissen um die Handlung der Frau, das meint, dass er theoretisch wissen muss, was sie in der Abwesenheit des Mannes tatsächlich getan hat.14 Dieses Wissen teilt der Erzähler dem Rezipienten allerdings nicht mit. Durch diese Informationssparsamkeit, beziehungsweise das ‚Nicht-Gesagte‘15 seitens des Erzählers wird der Rezipient in seiner Wahrnehmung auf die Wirkung des Textes gelenkt. Mithin muss dieser aus den Informationen, die ihm erzählt werden, den Textsinn erschließen. Die Lenkung des Rezipienten geschieht dadurch, wie die Geschichte durch den Erzähler berichtet wird.

Der Ehemann willigt auf der Ebene der wörtlichen Rede ein: „ja maht du vil wol war han, / wir slun ez ziehen“ (Fassung A, V. 29.f.). Erst durch den darauffolgenden Kommentar des Erzählers

er brahte si des niht inne,

daz er valscher minne

an ir was worden gewar.

(Fassung A, V. 31ff.)

wird deutlich, dass der Mann seine Frau durchschaut hat. Allein die direkte Figurenrede lässt diesen Schluß nicht zu, dazu bedarf es den Erzähler, dessen Kommentar durch den Rezipienten interpretiert und gedeutet werden muss.

Die Gedanken der Frau werden weder von der Figur noch durch den Erzähler mitgeteilt. So bleibt die Figur inhaltslos, das heißt, es werden keine Reaktionen oder Handlungen erzählt. Der Charakter der Frau entsteht nur durch die Interpretation des Rezipienten, der durch die Erzählweise des Erzählers ein negatives Vorwissen hat, wenn dieser die Behauptungen nicht weiter hinterfragt. Anders gesagt: Eine Lüge gelingt nur dann, wenn der Rezipient dem Erzähler das Vertrauen schenkt oder einer Figur misstraut, weil diese bereits durch Lügen negativ aufgefallen ist. Der Rezipient besitzt ein negatives Vorwissen, welches dadurch entsteht, dass das Gesagte nicht mit der inneren Haltung, die durch den Erzähler mitgeteilt wird, korrespondiert. Demnach stimmen Außen und Innen nicht überein, wodurch die Wirkung entsteht, dass die Frau eine Lügnerin sei.16

Realitätsnahes Erzählen

Gegenteilig verhält es sich bei der Figur des Mannes. Er avanciert zum Handlungsträger, indem die höfische Erziehung des Kindes detailliert und idealtypisch für die Zeit des Mittelalters geschildert wird:

er lert daz kint under stunden

mit haebechen unt mit hunden,

mit schazabeln unt mit vederspil

mit zuhte sprechen unt swigen,

[…] unt allerhande saitenspil.

(Fassung A, V. 35-41)

Begriffe wie ‚Saitenspil‘ oder Motive der Jagd sind Teile der Erziehung, die in den Artusromanen von jedem angehenden Ritter zu absolvieren ist. Die detaillierte Darstellung der Erziehung zielt einerseits darauf ab, den Ehemann als einen Edelmann wirken zu lassen, um – im Gegensatz zu seiner Frau – die Sympathien des Rezipienten zu gewinnen. Andererseits ist diese Schilderung realitätsnah, weil sie eben die höfische Erziehung im Mittelalter wiedergibt und der mittelalterliche Rezipient diese durch sein Weltwissen erkennen kann. Die Wahrhaftigkeit der Geschichte wird durch den Alltagsbezug gestärkt. Dazu trägt auch das Vertrauen bei, das entsteht, weil Außen und Innen korrespondieren, indem sich die Handlungen und die bereits geschilderte innere Haltung des Mannes decken.

Der Erzähler nimmt sich bei der Erzählung dieses Ereignisses zurück, dadurch wirkt es so, als würde die ‚Realität‘ im Text eins zu eins abgebildet werden. Ein nicht-sprachliches Ereignis wird sprachlich umgesetzt (Mimesis).17 Das showing hat mithin zur Wirkung, die ‚Realität‘ der erzählten Welt unmittelbar und wahrhaftig abzubilden. Doch es darf nicht übersehen werden, dass an dieser Stelle eine narrative Instanz erzählt, beziehungsweise zeigt, was in der Jetzt-Welt des Textes geschieht. Diese Fokalisierung auf das nicht-sprachliche Ereignis (die Erziehung des Kindes) und dessen sprachliche Umsetzung ist stets subjektiv wahrhaftig. Denn es ist immer noch ein Erzähler, der aus seiner Perspektive und von seiner Weltsicht erzählt. Trotz der Zurücknahme des Erzählers ist und bleibt dieser „anwesend als Quelle, Garant und Organisator der Erzählung, als ihr Analytiker und Kommentator, als Stilist […] und vor allem als Produzent […]“.18

Um es zu präzisieren: Die Worte des Erzählers über die inneren Eigenschaften des Mannes werden in dem gezeigten Ereignis der Erziehung des Kindes bestätigt. Die Zuordnung von Worten und Sachverhalt stimmen überein und verifizieren sich sogar gegenseitig. Diese realitätsnahe Erzählweise signalisiert dem Rezipienten, dass die Geschichte, welche der Erzähler berichtet, wahrhaftig sein muss.

Darüber hinaus erweckt diese Erzählweise einen Sympathiebonus, den der Rezipient gegenüber der Figur des Mannes gewinnt und sich zudem mit seiner Handlung und seiner Situation identifizieren kann. Die Möglichkeit der Identifikation ist ein Erzählmittel, um eine Spur zu legen, die der Rezipient aufnimmt und dem Text somit einen Sinn gibt.19

Im Schneekind B wird die sorgfältige, höfische Erziehung des Kindes durch den Ehemann nicht erzählt. Dies ist auch nicht notwendig, da von Anfang an eindeutig ist, dass die Frau fremdgegangen ist. Folglich enthält das Schneekind B keine unterschiedlichen Realisierungen der Interpretation.

Die positive Darstellung des Mannes in der Fassung A, durch die Fokalisierung seiner Handlung und damit einhergehend die Deckung mit den erzählten Eigenschaften des Mannes, ist im weiteren Verlauf des Textes zu belegen. Wie es für einen Kaufmann standespflichtig ist, bricht er zu einer erneuten Geschäftsreise auf und wird das Kind mitnehmen.20

si sluogen in in ein schoene lant,

da er einen richen koufman vant.

der vragt in sa der maere,

wa sin koufschatz waere.

(Fassung A, V. 49-52)

Der Kaufmann reist mit seinem Kind in ein „schoene lant“, welches wie bei der ersten Reise keine topographische Zuschreibung erfährt. Das Wort ‚schoen‘ ist ein Hinweis darauf, dass sich dieses unbenannte Land im Orient befindet. Das Land, wie auch die Figuren, bleiben inhaltslos, dies ist damit zu begründen, dass es für die Geschichte wiederholt nicht relevant ist, wo der Kaufmann hinfährt, sondern dass er in ein anderes Land fährt, indem offenbar ein warmes, sonniges Klima herrscht. Es zeigt sich abermals, dass der Rezipient diese Leerstellen ausfüllen muss, damit der Textsinn entsteht.

In der Fassung B wird explizit durch den Erzähler darauf hingewiesen, dass es in dem Land üblich ist, Kinder zu kaufen:

er bracht in in ain lant,

da waz der sitt so gewant,

daz man kint koft.

(Fassung B, V. 61ff.)

Folgerichtig gibt es hier keine Leerstelle, die alleinige Intention der Reise, das Kind zu verkaufen, wird eindeutig erzählt, weshalb eben dieses Land Ziel der Reise ist.

Im Schneekind A ist diese Stelle, wie bereits dargelegt, uneindeutig. Doch auch dort verkauft der Mann das Kind („sin koufschatz […] / des snewes sun wart dafür gestalt“ Fassung A, 52f.) für „drinhundert marken“21 (V. 54), was durch den Erzähler berichtet wird. Dieses Detail scheint unbedeutend zu sein, es sorgt jedoch dafür, dass realitätsnah erzählt wird, indem der Erzähler ein Wissen über die genaue Verkaufssumme des Kindes hat. Zudem wird signalisiert, dass es viel Geld ist und der Kaufmann somit einen stattlichen Gewinn erzielt hat. Daher ist der Wahrhaftigkeitsanspruch des Erzählers wieder gesichert. Es wird wiederholt die Handlung des Mannes erzählt und über seine Stimmung („mit föuden fuor er heim sa.“ V. 62), über den Verkauf des Kindes und das erbrachte Geld wird ebenso berichtet. Bemerkenswert ist, dass über das Kind weder eine Handlung noch Reaktionen oder Gedanken bekannt werden. Das Kind ist nur Mittel zum Zweck, eine Schachfigur, um die Frau oder den Rezipienten, schachmatt zu setzen.

Resümieren wir zunächst, dass die Erzählung des Schneekind A durch den Erzähler, der nur die Handlung des Mannes erzählt, den Rezipienten auf eine einseitige Spur lenkt. Die Einseitigkeit besteht darin, dass sich der Mann durch die Erziehung und sein standespflichtiges Verhalten als Edelmann auszeichnet. Die innere Haltung korrespondiert mit der äußeren wahrnehmbaren Handlung, weshalb der Erzähler glaubwürdig erscheint. Die Frau hingegen wird als Lügnerin dargestellt, indem relevante Stellen, wie die Gedanken, Reaktionen oder Handlungen nicht erzählt werden und dadurch ein negatives Vorwissen entsteht, obwohl ein heterodiegetischer Erzähler theoretisch dazu fähig ist, was im Schneekind B der Fall ist. Diese Leerstellen muss der Rezipient mit seinem Weltwissen ausfüllen, dies hat zur Wirkung, dass der Text die Frau unwahrhaftig wirken lässt, weil es nicht realistisch ist, das heißt, nicht dem empirischen Wissen des mittelalterlichen Rezipienten entspricht, dass die Frau durch Schnee schwanger werden kann. Die Handlung des Fremdgehens wird folgerichtig nicht erzählt, sondern findet im Rezeptionsprozess statt. Daraus resultiert, dass ein Widerspruch zwischen Innen und Außen, zwischen innerer Beschreibung und der Handlung nur auf der Glaubwürdigkeit beziehungsweise des Wahrhaftigkeitsanspruches des Erzählers beruht, weil ebendieser die Frau im Promythion als unwahrhaftig beschreibt. Dieser Widerspruch von Innen und Außen, von Worten und Sachverhalt, erzeugt die Wirkung des Misstrauens gegenüber der Figur der Frau.

Doch der Rezipient kann diese Leerstellen beseitigen,22 indem dieser die Welt der Figuren als eine vielfältige betrachtet, in der märchenhafte und fantastische Elemente, wie das Schwangerwerden durch Schnee, unter Miteinbezug aller Eventualitäten, möglich sind. Wichtig ist an dieser Stelle das realitätsnahe Erzählen, welches in wenigen Mären aufgelöst wird. Daher ist die Nähe zum Märchen nicht zu leugnen. Die Geschichte der Figur der Frau ist zwar unwahrscheinlich, jedoch in sich logisch und schlüssig und somit wahrhaftig. Der Lügenvorwurf entsteht deshalb, weil der Erzähler suggeriert, dass die Erzählung einen Realitätsbezug zu der Welt des Rezipienten hat.

Nehmen wir an, die Geschichte beginnt mit den Worten: „Es war einmal“, dann wüsste der moderne Rezipient, dass es sich um eine fiktionale, märchenhafte Welt handelt. Mit dieser Einleitung wird der Fiktionspakt zwischen dem impliziten Autor und dem Rezipienten geschlossen. Doch der Erzähler im Schneekind A macht genau das Gegenteil, er hebt durch den Realitätsbezug den Fiktionspakt auf.

An dieser Stelle bewegen wir uns mit der Analyse im Diskurs des Mittelalters, in dem der Vorwurf Platons, dass alle Dichter Lügner seien, zur Disposition steht. Nur ist scheinbar die Figur der Frau in der Geschichte die Urheberin der Lüge, weil der Eindruck entsteht, dass sie versucht, zu täuschen. Wird an dieser Stelle der Autor/Dichter mit dem Erzähler gleichgesetzt, so scheint es, dass dieser die Lüge der Frau aufdeckt, anstatt sie entstehen zu lassen. Somit löst der Text den Lügenvorwurf selbst auf, indem er ihn zur Lüge macht.

Wie ich bereits angedeutet habe, berichten die Figuren von einer märchenhaften Welt, in der die empirische Deutung der Schwangerschaft aufgehoben ist. Mithin muss Lüge durch Fiktionalität ersetzt werden.

Lüge und Wahrhaftigkeit oder: Eine Frage der Perspektive

Der Text zielt darauf ab, ein Wahrhaftigkeitsproblem entstehen zu lassen, indem der Rezipient die Geschichte der Figuren und die des Erzählers mit seiner Welt, das heißt, mit seinem Weltwissen vergleicht und dadurch dem Erzähler den Wahrhaftigkeitsanspruch zuschreibt. Der Sinn des Textes, also die Frage nach der Lüge und Wahrhaftigkeit, ist daher immer eine Frage der Perspektive, die bestimmt, warum ein Sachverhalt für wahrhaftig gehalten wird oder nicht. Diskurstheoretisch bedeutet dies, dass die Frage nach der Lüge und Wahrhaftigkeit stets davon abhängig ist, wer in welchem Diskurs die Macht hat. Ein Diskurs, in dem eine Schwangerschaft durch Schnee möglich ist, würde demnach der Figur der Frau den Wahrhaftigkeitsanspruch zuschreiben.

Der Erzähler ist kein unzuverlässiger Erzähler23, denn er erschafft schließlich eine fiktionale Welt, die nicht als Abbildung der Welt des Rezipienten missverstanden werden darf, auch wenn der Text darauf angelegt ist, dass der Rezipient die Fäden genauso zusammensetzt, dass ebendieser Textsinn entsteht.

Dem [Rezipienten], der in der Lage ist, diese Signale zu verstehen, wird hier und an vielen anderen Stellen angedeutet: Die Erzähler […] sind nicht unbedingt der Wahrheit verpflichtet. Was sie sagen, entspricht ihrer subjektiven Wahrheit, die mit der anderen Erzähler, Figuren oder [Rezipienten] nicht übereinstimmen müssen.24

Somit haben wir es mit einem subjektiv-wahrhaftigen Erzähler zu tun, der von seiner Version der Geschichte zu überzeugen versucht. Der heterodiegetische Erzähler könnte die Handlung der Frau fokalisieren, wie im Schneekind B oder im Modus Liebinc, dies tut er aber nicht und verschweigt somit die Handlung. Hier ist der Erzähler unwahrhaftig zugunsten einer Rezipientenlenkung, die darauf abzielt, von der eigenen „subjektive Wahrheit“ zu überzeugen.

Der Erzähler erzählt nicht bloß von einer Lüge, sondern wird selbst zum Gegenstand unwahrhaftigen Erzählens.

Der Rezipient lernt, dass ein kritisches Hinterfragen notwendig ist, da die Frage nach dem, was wahrhaftig ist, stets eine Frage der Perspektive ist. Lüge und Wahrhaftigkeit sind mehr als nur im Sinne von AUGUSTINUS als moralische Gegensätze gut und böse zu denken, sondern ein sprachliches Mittel in der Alltagskommunikation. Denn es ist eben nicht eindeutig, wer lügt oder wahrhaftig ist, vielmehr kommt es auf die rhetorische Überzeugung an. Wenn der Rezipient die Signale des Textes erkennt und hinterfragt, eröffnet sich eine weitere Ebene, den Text zu verstehen und zu interpretieren. Zudem zeigt die Analyse, dass dem Erzähler nicht unabdingbar zu glauben ist und seine Autorität angezweifelt werden muss. Dies macht die Brillanz der Strickerschen Erzählweise aus.

Endnoten:

[1] Augustinus: Contra Mendacium. Kap. IV. Zit. nach H. Weinrich: Linguistik der Lüge. Heidelberg 1970, S. 56.

[2] Vgl. Kocher, Ursula: Lügen und Betrügen. Das Falsche in der Geschichte von der Antike bis zur Moderne. Hg. von Oliver Hochadel und Ursula Kocher. Köln u.a. 2000., S. 70.

[3] Gabriel Falkenberg: Lügen. Grundzüge einer Theorie der sprachlichen Täuschung. Tübingen 1982 (= Linguistische Arbeiten 86), S. 55.

[4] Vgl. Kocher (s. Anm. 2), S. 3.

[5] Vgl. Kocher (s. Anm. 2), S. 75.

[6] Die Forschung streitet, wer an dieser Stelle überhaupt erzählt. Denn die Trennung zwischen Autor und Erzähler ist besonders in der Literatur des Mittelalters schwierig. Auf Grundlage der Genetteschen Terminologie gehe ich von einem Erzähler aus, der als Person gedacht wird und sich von dem realen Autor abgrenzt. Nur so scheint es mir möglich zu sein, die Aussagen des Erzählers vor dem Hintergrund von Lüge und Wahrhaftigkeit zu untersuchen. Ein weiteres Argument ist, dass der Text im Mittelalter u.a. vorgetragen wurde und es folglich einen Erzähler gibt, nämlich der, der den Text vorträgt.

[7] Helmut Weidhase:Das aktualisierte Lachen. Zum mittelalterlichen Märe vom Schneekind“. In: Sprache und Sprachhandeln: Festschrift f. Gustav Bebermeyer z. 80. Geburtstag am 16.10. 1970: Arbeiten aus seinem Freundes- u. Schülerkreis. Hg. von Jochen Möckelmann. Hildesheim u.a. 1974. S. 66.

[8] Vgl. Gérard Genette: Die Erzählung. München 21998, S. 134ff.

[9] Weltwissen, bei Eco auch Enzyklopädie, meint all das Wissen, welches der Rezipient besitzt. Der Rekurs auf dieses Wissen ermöglicht ihm das Verständnis und die Interpretation eines Textes.

[10] Robert-Alain de Beaugrande und Wolfgang U. Dressler: Einführung in die Textlinguistik. Tübingen 1981, S. 8.

[11] Jürgen Kühnel: Modus Liebinc. Die Sequenz vom Schneekind. In: Diagonal. Zs. Der Universität – Gesamthochschule – Siegen, Jg. 1991, H. 2, S. 137-157, hier: S. 142.

[12] Vgl. Weidhase (s. Anm. 7), S. 66.

[13] Roland Barthes: S/Z. Übers. von Jürgen Hoch, Frankfurt am Main 31998, S. 183f.

[14] Im Modus Liebinc vergnügt sich die Frau während der Abwesenheit des Mannes mit Gauklern bzw. fahrendem Volk. Es wird wie im Schneekind B explizit durch die Fokalisierung der Handlung der Frau erzählt, dass sie fremdgegangen ist und dass das Kind von einem anderen Mann ist. Vlg. Volker Schupp: „Modus Liebinc“. In: Verfasserlexikon 2. Aufl. Bd. 6, 1987, S. 630-632.

[15] „‚Nicht-Gesagt‘ bedeutet, daß es sich nicht an der Oberfläche, auf der Ebene des Ausdrucks manifestiert; und doch ist es gerade dieses Nicht-Gesagte, das auf der Aktualisierungsebene des Inhalts aktualisiert werden muß. Zu diesem Zweck bedarf es bei einem Text – entschiedener als bei jeder anderen Nachricht – der aktiven und bewußt kooperativen Schritte des Lesers.“ Umberto Eco: Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten, München 1990, S. 62.

[16] Vgl. Hans-Jürgen Bachorski: Lügende Wörter, versteckte Körper, falsche Schrift. Miß/gelingende Kommunikation. In: Gespräche – Boten – Briefe. Körpergedächtnis und Schriftgedächtnis im Mittelalter, Hg. v. Horst Wenzel, Berlin 1997, S. 344-364, hier S. 356.

[17] Genette (s. Anm. 8), S. 118.  „Es versteht sich zum Beispiel von selbst, das ein und derselbe Text auf den einen Leser eminent mimetisch wirken kann, während er einem anderen eher ausdrucksschwach vorkommt. Hierbei spielt die historische Entwicklung eine entscheidende Rolle […]“

[18] Genette (s. Anm. 8), S. 119.

[19] Das ‚Märe‘ befindet sich beim Thema Identifikation zwischen dem ‚Bîspel‘ und dem ‚Roman‘. Während der Roman auf Identifikation und Nähe setzt, findet im Bîspel keine Identifikation statt, sondern Distanz. Das Märe steht zwischen diesen beiden ‚Gattungen‘, setzt daher weniger auf Identifikation, wenngleich diese auf einzelne Figuren bezogen nicht auszuschließen ist.

[20] KÜHNEL wertet die erneute Reise als doppelten Cursus, da das Märe eine Doppelwegstruktur durch die beiden Reisen des Mannes aufweist. (Kühnel 1991, S. 151f.) Der von KUHN geprägte Begriff doppelter Cursus, der als Strukturmerkmal des Artusromanes gilt, wird in der neueren Forschung kritisch hinterfragt, da die Gefahr besteht, dass die Geschichte von diesem Merkmal – und nicht vom Text – her gedacht wird.

[21] Vgl. Weidhase (s. Anm. 7), S. 73. Eine symbolische Betrachtung der „drinhundert marken“ findet sich bei Weidhase, der eine Intertextualität zur Bibel Joh. 12,5 erkennt. Judas glaubt, diesen Betrag durch den Verkauf der Salbe erzielen zu können. Auf den mittelalterlichen Rezipienten könnte diese Zahl weniger realitätsnah, sondern symbolisch wirken. Jedoch ändert sich dadurch nichts an der Wahrhaftigkeit des Erzählers, denn bei beiden Rezeptionsarten (realitätsnah / symbolisch) wirkt der Mann auf den Rezipienten wie ein Verräter.

[22] „Der Leser wird die Leerstellen dauernd auffüllen beziehungsweise beseitigen. Indem er sie beseitig, nutzt er den Auslegungsspielraum und stellt selbst die nicht formulierten Beziehungen zwischen den einzelnen Ansichten her.“ Wolfang Iser: Die Appellstruktur der Texte: Unbestimmtheit als Wirkungsbedingen literarischer Prosa. Konstanz 31971, S. 235.

[23] Vgl. W.C. Booth: Die Rhetorik der Erzählkunst 2. Heidelberg 1974.

[24] Ursula Kocher: „Wenn Erzähler lügen. Zum Problem des unwahrhaften Erzählens in Prosatexten der Frühen Neuzeit“. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes. Germanistische Mediävistik und ‚Bologna-Prozess‘. Hg. v. Peter Stohschneider, Bielefeld 2005, H. 1, S. 318-333, hier: S. 326.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Augustinus: „Contra Mendacium“. Kap. IV. Zit. nach H. Weinrich: Linguistik der Lüge. Heidelberg 1970.

„Daz Snemaere / Das Schneekind“. In: Novellistik des Mittelalters. Märendichtung. Hg., übers. und komm. von Klaus Grubmüller, 1996 Frankfurt a.M.

Sekundärliteratur:

Bachorski, Hans-Jürgen: „Lügende Wörter, versteckte Körper, falsche Schrift. Miß/gelingende Kommunikation“. In: Gespräche – Boten – Briefe. Körpergedächtnis und Schriftgedächtnis im Mittelalter, Hg. v. Horst Wenzel, Berlin 1997, S. 344-364.

Barthes, Roland: S/Z. Übers. von Jürgen Hoch, Frankfurt am Main 31998.

de Beaugrande, Robert-Alain und Dressler, Wolfgang U.: Einführung in die Textlinguistik. Tübingen 1981.

Booth, W.C.: Die Rhetorik der Erzählkunst 2. Heidelberg 1974.

Eco, Umberto: Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten, München 1990.

Falkenberg, Gabriel: Lügen. Grundzüge einer Theorie der sprachlichen Täuschung. Tübingen 1982 (= Linguistische Arbeiten 86).

Genette, Gérad: Die Erzählung. München 21998.

Hochadel, Oliver und Kocher, Ursula: Lügen und Betrügen. Das Falsche in der Geschichte von der Antike bis zur Moderne.. Köln u.a. 2000.

Iser, Wolfang: Die Appellstruktur der Texte: Unbestimmtheit als Wirkungsbedingen literarischer Prosa. Konstanz 31971.

Kocher, Ursula: „Wenn Erzähler lügen. Zum Problem des unwahrhaften Erzählens in Prosatexten der Frühen Neuzeit“. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes. Germanistische Mediävistik und ‚Bologna-Prozess‘. Hg. v. Peter Stohschneider, Bielefeld 2005, H. 1, S. 318-333.

Kühnel, Jürgen: Modus Liebinc. Die Sequenz vom Schneekind. In: Diagonal. Zs. Der Universität – Gesamthochschule – Siegen, Jg. 1991, H. 2, S. 137-157.

Schupp, Volker: „Modus Liebinc“. In: Verfasserlexikon, 2. Aufl. Bd. 6, 1987, S. 630-632.

Weidhase, Helmut: Das aktualisierte Lachen. Zum mittelalterlichen Märe vom Schneekind“. In: Sprache und Sprachhandeln: Festschrift f. Gustav Bebermeyer z. 80. Geburtstag am 16.10. 1970: Arbeiten aus seinem Freundes- u. Schülerkreis. Hg. von Jochen Möckelmann. Hildesheim u.a. 1974.