Buchtipps: Conversation Starters

Bücher sind nicht nur zum Lesen gut, sie sind auch ein wunderbarer Weg, um mit Anderen ins Gespräch zu kommen oder sogar stundenlang zu diskutieren. In unserer Liste präsentieren wir euch vier literarische Werke, die aufgrund ihres kontroversen Inhalts oder ihrer besonderen Aufmachung Gesprächsstoff bieten.

 

Kerstin empfiehlt:
Anita Loos – Gentlemen bevorzugen Blondinen… /…aber Gentlemen heiraten Brünette

„Halten Sie ihr Buch etwa falsch herum?“ Aus einem bestimmten Winkel ließe sich gewiss dieser Eindruck erwecken, denn der Diogenes Verlag hat sich bei der Herausgabe der Romane Gentlemen bevorzugen Blondinen… und …aber Gentlemen heiraten Brünette von Anita Loos etwas Besonderes einfallen lassen und sie nicht bloß in einem Band veröffentlicht, sondern Ihnen jeweils auch ein Cover auf dem Buchumschlag zugedacht: eins vorne und (andersherum) eins hinten.

Dieser spielerische An-Satz (man möge mir vergeben) passt gut zur leichten Unterhaltung, die diese beiden Romane auch heute noch bieten. Man liest fasziniert die Tagebücher der beiden jungen Damen Lorelei Lee (legendär verkörpert von Marilyn Monroe) und Dorothy, in denen sich alles um die neueste Eroberung, ihre Großzügigkeit und gelegentlich ihre Ehefrau dreht. Ob die beiden Schriftführerinnen dabei so unbedarft sind, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat, bleibt den Lesern dieser Satire auf das gesellschaftliche Leben der amerikanischen Upperclass der Zwischenkriegsjahre selbst überlassen.

 

Alex empfiehlt:
Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

Die Handlung von Haruki Murakamis Roman Gefährliche Geliebte lässt sich schnell erzählen: In seiner Kindheit lernt Hajime das Mädchen Shimamoto kennen und die beiden verstehen sich blendend. Doch als Hajime umzieht, verlieren sie sich aus den Augen. Jahre später kann er Shimamoto immer noch nicht vergessen, obwohl er verheiratet und Vater ist. Als sie plötzlich in einer seiner Jazz-Bars auftaucht, stellt sie sein Leben völlig auf den Kopf. Eine Kontroverse hat der Roman im Jahr 2000 ausgelöst, als er Anlass eines Streits zwischen Marcel Reich-Ranicki und seiner Kollegin Sigrid Löffler in der Sendung Das literarische Quartett wurde. Löffler bezeichnete das Buch als „literarisches Fast-Food“, äußerte zudem Kritik am Stil des Romans und führte weiter aus, dass die weibliche Hauptfigur nur einer Männerfantasie entsprungen sei. Reich-Ranicki erwiderte daraufhin, dass Löffler die Liebe als etwas Anstößiges und Unanständiges betrachte.

Gefährliche Geliebte wurde bei Erscheinen tatsächlich nicht aus dem Original in die deutsche Sprache übertragen, sondern aus dem Amerikanischen. Mittlerweile wurde der Roman unter dem Titel Südlich der Grenze, westlich der Sonne neu übersetzt, diesmal aus dem Japanischen. Der Streit zwischen den beiden Literaturkritikern führte letztlich dazu, dass Löffler aus der Sendung ausstieg und damit das Ende des literarischen Quartetts einläutete.

 

Nadine empfiehlt:
Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Das Buch begleitet Jude und seine drei besten Freunde über Jahrzehnte hinweg durch ihr Leben. Angefangen bei ihrer Studienzeit, wird aus verschiedenen Perspektiven berichtet, wie es den vier Männern ergeht, wen sie lieben, was ihr Beruf ist, mit wem sie sich zerstreiten. Im Vordergrund steht allerdings Jude, über dessen Kindheit und Jugend seine Freunde nichts wissen und der grausame seelische Narben und Verletzungen mit sich herumträgt. Nach und nach lüftet sich der Schleier um Judes geheimnisvolle Vergangenheit und legt eine erschreckende Menge an menschlichem Leid bloß.

Yanagiharas Roman wurde in der Presse und auch auf Blogs heiß diskutiert. Ganz weit vorne standen stets die Fragen: Ist das noch Literatur oder ist das schon Voyeurismus? Fühlen die Leser mit Jude und seinen Freunden mit, oder ergötzen sie sich an ihrem Leid? Möchte die Autorin einfach nur provozieren?

Es ist ein intensiver Roman, der viele Emotionen in seinen Lesern hervorrufen kann – Wut, Ekel, Trauer, Schock, Betroffenheit, Mitleid, aber auch Glück. Ein wenig Leben ist keinesfalls eine leichte Lektüre, teils ist die Geschichte sogar kaum zu ertragen, aber es lohnt sich, sich durch all die Seiten voller Leid und Schmerz zu kämpfen. Denn: das Buch belohnt einen auch mit wunderschönen, positiven Momenten der Freundschaft, der Liebe und der Hoffnung. Und die sind fast noch berührender als die schrecklichen Ereignisse.

 

Kerstin empfiehlt:
Gordon Dahlquist – Die Glasbücher der Traumfresser

Zugegeben. Man würde bei der Lektüre dieses Buches vermutlich nicht unbedingt den ganzen Schuber mit in die Bahn nehmen und dekorativ neben sich aufstellen. Würde man es dennoch tun, so wäre er genau das: ein Augenschmaus. Statt der herkömmlichen Herausgabe als Hardcover oder Taschenbuch kam dieser Roman in Form von zehn einzelnen Heften heraus, die sich formschön im eigenen Schuber versammeln. Hat sich dies mit den nachfolgenden Auflagen auch leider geändert, bleibt dem interessierten Leser immer noch die spannende Geschichte in einer detailreich ausgestatteten Steampunkwelt. Aus der Sicht der drei Hauptfiguren, Miss Temple, Plantagenbesitzerin und jüngst unter mysteriösen Umständen von ihrem Verlobten verlassen, Kardinal Chang, Auftragsmörder, und Doktor Svenson, Leibarzt des mecklenburgischen Prinzen, entspinnt sich ein vielschichtiger Plot um Verbrechen, politische Ränkespiele, Intrigen und eine Geheimgesellschaft, der es gelungen ist, Emotionen und Erinnerungen buchstäblich auf Flaschen bzw. Bücher zu ziehen und deren finstere Pläne es unbedingt zu durchkreuzen gilt.